Warum ich „Dschinns“ jahrelang verpasst hatte (und froh bin, es nicht getan zu haben)

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blocksbersch Avatar

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Ich bin ehrlich: Ich bin jahrelang um „Dschinns“ von Fatma Aydemir herumgeschlichen. Das Buch gibt es ja gefühlt schon ewig, und jedes Mal im Buchladen dachte ich mir: „Ach nee, das ist bestimmt nichts für mich.“ Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich so lange gewartet habe. Auf der anderen Seite bin ich einfach froh, es überhaupt noch gelesen zu haben, und zwar innerhalb von zwei Tagen, weil es mich richtig gepackt hat. So eine Art von Buch hatte ich vorher tatsächlich noch nie in der Hand. Die Story dahinter. Die Geschichte geht direkt ziemlich intensiv los. Hüseyin hat dreißig Jahre lang in Deutschland als Gastarbeiter geschuftet, um sich den Traum von einer Eigentumswohnung in Istanbul zu erfüllen. Doch genau am Tag des Einzugs stirbst er dort an einem Herzinfarkt. Zur Beerdigung reist die Familie aus Deutschland an, die Ehefrau und die vier erwachsenen Kinder. In der noch völlig fremden Wohnung prallen sie dann alle aufeinander. Das Spannende ist, dass jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen Familienmitglieds erzählt wird. Man merkt schnell, dass sie sich untereinander eigentlich ziemlich fremd sind. Jeder hat seine eigenen Geheimnisse, Enttäuschungen und Probleme im Gepäck. Was das Buch besonders macht, der Titel „Dschinns“ steht metaphorisch für die Geister und das Unausgesprochene in der Familie. Es geht um Themen wie Identität, das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen, Rassismus in den 90ern, aber auch um ganz persönliche Dinge wie unterdrückte Sexualität. Der Schreibstil hat mich am meisten überrascht. Die Autorin schafft es, eine enorme Nähe zu den Charakteren aufzubauen. Manchmal werden die Figuren vom Erzähler direkt mit „Du“ angesprochen, was einen beim Lesen richtig in die Geschichte hineinzieht. Es ist ein sehr ehrliches, ungeschöntes Buch, das ohne Kitsch auskommt. Mein Fazit„Dschinns“ ist kein leichtes Buch für zwischendurch, aber eine absolut faszinierende Familiengeschichte. Wer auch erst skeptisch ist, ob das Thema das Richtige ist, es lohnt sich definitiv, dem Buch eine Chance zu geben. Für mich eines der besten Bücher, die ich seit Langem gelesen habe.