Ein fesselnder Roman über Wahrheit und Schuld

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irene123 Avatar

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"Du musst mich vergessen" von Rosie Walsh hat mich wie ihre beiden vorherigen Romane in jeder Hinsicht überzeugt!

Im Zentrum des Romans steht die angehende Chirurgin Carrie, die ihre große Liebe Johan in Thailand heiratet, nur um noch am gleichen Abend mitansehen zu müssen, wie ihr Mann von bewaffneten Polizisten abgeführt wird und in einem thailändischen Gefängnis verschwindet. Was folgt sind Jahre voller Trauer, Schmerz, vieler offener Fragen, auf die es keine Antworten zu geben scheint und der Erkenntnis, dass ihr Mann nicht der war, für den sie ihn hielt. Doch plötzlich, Jahre später, gibt es wieder ein Lebenszeichen von Johan, und Carrie muss sich entscheiden, ob sie das glückliche Leben, das sie mit ihrer kleinen Familie aufgebaut hat, aufs Spiel setzen möchte, nur um endlich Antworten auf all ihre Fragen zu bekommen.

Der Autorin gelingt mit "Du musst mich vergessen" die perfekte Mischung aus gefühlvoller Liebesgeschichte (ohne ins Kitschige abzudriften) und einer großen Portion Spannung, die durch das Geheimnis um Johans Verschwinden entsteht. Nach und nach wird dieses Geheimnis durch viele Rückblenden und viele überraschende Wendungen enthüllt, und es wäre nicht Rosie Walsh, wenn nicht gegen Ende des Buches eine völlig unerwartete Wendung nochmals alles auf den Kopf stellt.

Besonders überzeugend fand ich die Atmosphäre, die die Autorin geschaffen hat: Die Gefühle von Verlust, Schmerz, Trauer, Sehnsucht und Verwirrung der Hauptprotagonistin Carrie, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, werden sehr eindringlich geschildert, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Gleichzeitig sorgt die Spannung dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen, sehr flüssig und klar, der Ton leicht melancholisch, und die Beschreibungen der Schauplätze (London, Devon, Thailand und Stockholm) sehr lebendig und anschaulich.

„Du musst mich vergessen“ ist somit weit mehr als eine einfache Liebesgeschichte – es ist ein fesselnder Roman über Wahrheit, Schuld und die Frage, wie gut wir einen anderen Menschen wirklich kennen können.