Ich war enttäuscht

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bücherwand13 Avatar

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Carrie ist Chirurgin, hat ihren Beruf aber vor sechs Jahren aufgegeben, um ganz für ihre frühgeborenen Zwillinge und die Familie da zu sein. Sie und ihr Mann Robin führen eine gute Ehe, sie lässt ihm seinen Freiraum, er kümmert sich um sie. Die scheinbar heile Welt wird auf den Kopf gestellt als Carrie mit dem Gedanken spielt, wieder als Chirurgin zu arbeiten und für ein Praktikum nach Schweden gehen will. Bei der Recherche nach einer Unterkunft erfährt sie, dass Johan, ihre erste große Liebe, noch lebt. Vor zwölf Jahren hatte sie mit ihm ihre erste, intensive Liebe und heiratete ihn bereits nach kurzer Zeit in einem Thailandurlaub, jedoch wurde er noch am Hochzeitsabend wegen Drogenschmuggels verhaftet und verschwand in einem thailändischen Gefängnis. Plötzlich brechen alle Gefühle und Fragen wieder in Carrie auf, die niemals beantwortet wurden und die sie all die vergangenen Jahre verdrängt hatte. Wut steigt auf, dass Johan wohl schon länger wieder in Europa lebt, sich aber nie bei ihr gemeldet hat. Soll sie ihn treffen und versuchen, Antwort auf alle ihre Fragen zu erhalten? Sie steht vor der Frage „die Tür sofort wieder zu schließen, die sich geöffnet hat oder sie ganz weit aufzumachen“.
Natürlich trifft sie ihre frühere Liebe und natürlich erfährt man nach und nach, was in Thailand passiert ist. Dies war erwartbar, die Frage ist immer, was ist die Story, die dahinter liegt und wie ist sie geschrieben. Beide Teile fand ich leider insgesamt enttäuschend und erfüllten nicht meine Erwartungen, die der Klappentext mit der „spannendsten Lovestory“ des Jahres verspricht. Das Buch hat 500 Seiten, von denen es mich 400 Seiten lang nicht packen konnte. Erst die letzten 100 Seiten wurden so, dass ich dranbleiben wollte. Dies lag beispielsweise daran, dass mir die Protagonistin nicht wirklich sympathisch wurde. Der Wechsel von einer Workaholik-Chirurgin zu einer Mutter, die sich obsessiv an ihre Kinder klammert, war anhand der Story für mich nicht nachvollziehbar. Viele andere Figuren waren mir zu klischeehaft (die Aktivistin-Mutter, der Sexsymbol-Johan, der vergötterte Vater, der unter Alzheimer leidet und bei dem alle zu Tode betrübt sind, dass er in ein Altersheim kommen soll). Zudem fand ich viele Wendungen sehr konstruiert (die Schwester kommt „versehentlich“ auf den Button zur Miete von Johans Ferienhaus) oder so beschrieben, dass die Handlung künstlich verzögert wurde (Johan behauptet ständig, er könne nicht sagen, was damals passiert ist, andere Protagonisten erzählen immer nur halbe oder Teilwahrheiten usw.).
Mich hat das Buch deshalb leider nicht überzeugt. Die Sprache ist gut zu lesen, aber nicht herausragend, die Geschichte erschien mir häufig entweder wenig überraschend oder zu konstruiert. Die Personen wurden mir nicht sympathisch. Vor allem Letzteres mögen andere anders empfinden, dies ist mein persönlicher Eindruck, aus dem ich keine Leseempfehlung geben kann.