Wechselbad der Gefühle

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webervogel Avatar

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Zuerst dachte ich: was ein schmalziger Titel. Dann las ich online die Leseprobe, war angenehm überrascht, dass der Inhalt so gar nicht kitschig wirkt und wollte sehr gerne wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Als ich das Buch dann in den Händen hielt, überlegte ich leicht entsetzt, ob ich mich damit wirklich der Familie an den Osterfeiertagen zeigen will – das Cover mit Wellen, Blumen, Schnörkelschrift und rosa Autorennamen ist so gar nicht meins. Aber die Handlung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen und je mehr ich las, desto überzeugter war ich von dem Roman – don’t judge a book by its cover! Meine Begeisterung hielt bis zu den letzten 60 Seiten an, die mich dann ziemlich enttäuschten. Dass die Autorin an diese spannende Story so ein schwarzweißes Ende dranklatschen würde, hatte ich nicht erwartet.

Zum Inhalt: Carrie, vormals ambitionierte Chirurgin, plant nach sechs Jahren als Familienmanagerin ihren beruflichen Wiedereinstieg. Ein Besuch bei ihrer früheren Mentorin in Stockholm soll die Weichen dafür stellen, doch bei der Planung dieser Reise stößt Carrie völlig unerwartet auf einen Menschen, den sie zuletzt in einem thailändischen Gefängnis gesehen hat: Johan, ihre erste große Liebe, der 12 Jahre zuvor am Abend ihrer spontanen Hochzeit am Strand von Koh Samui festgenommen wurde. Inzwischen ist Carrie glücklich mit Robin verheiratet und Mutter von Zwillingen, doch dass Johan wider Erwarten auf freiem Fuß ist, wühlt alles wieder auf – vor allem die vielen Fragen, auf die sie nie eine Antwort bekommen hat. „Du musst mich vergessen“ (ein Satz, der im Buch kein einziges Mal fällt) erzählt in Rückblenden und Romangegenwart von Carries Beziehungen, Familie und Karriere. Autorin Rosie Walsh schreibt äußerst fesselnd und nachvollziehbar, stellt das Gefühlsleben ihrer Protagonistin wunderbar einfühlsam dar und schafft erstaunliche Wendungen. Dass mich das Ende enttäuschen würde, hatte ich absolut nicht erwartet, nachdem ich große Teile des Romans regelrecht verschlungen habe. Ich gebe gerade noch so vier Sterne. Vielleicht sollte ich Cover und Titel in Zukunft doch größere Beachtung schenken, bevor ich mich für ein Buch entscheide.