Ein Urlaub, der in Wahrheit ein neuer Fall ist

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xanaka Avatar

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Hans J. Stahl ist ein Kriminalkommissar der alten Schule – erfahren, abgeklärt und mit einem untrüglichen Gespür für die Polizeiarbeit. Eigentlich gehört dieses Kapitel seines Lebens längst der Vergangenheit an. Als Pensionär hat er gemeinsam mit Geli sein persönliches Glück im Odenwald gefunden. Doch so ganz kann er seine Leidenschaft für die Ermittlungsarbeit offenbar nicht hinter sich lassen.

Als ihn die Direktorin des Grandhotels auf Liekenoog um Hilfe bei der Suche nach einer vermissten Angestellten bittet, ist Stahl sofort bereit, den Fall zu übernehmen. Für ihn ist klar: Er will ermitteln. Nur Geli soll davon zunächst nichts wissen. Da sie sich schon länger einen gemeinsamen Urlaub wünscht, verkauft Stahl ihr die Reise kurzerhand als genau das – einen entspannten Urlaub auf der Insel. Dass er in Wirklichkeit einem Ermittlungsauftrag nachgeht, ahnt Geli nicht. Und auch alle anderen wissen nicht, wer der unscheinbare Urlauber tatsächlich ist und was ihn wirklich nach Liekenoog geführt hat.

Kaum auf der Insel angekommen, dauert es nicht lange, bis aus der Suche nach der vermissten Angestellten ein weitaus brisanterer Fall wird. Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, benötigt der junge Inselkommissar Böhm dringend Unterstützung. Für Stahl steht relativ schnell fest: Das war kein Unfall. Eine tote, nackte und entstellte junge Frau mit einem fehlenden Auge kann auf keinen Fall Selbstmord begangen haben. Der Inselarzt sieht das zunächst allerdings anders.

Die Zusammenarbeit zwischen Stahl und Böhm hat mir besonders gut gefallen. Während der junge Kommissar mit dem Fall zunehmend überfordert wirkt, blüht Stahl regelrecht auf. Er wird gebraucht, seine langjährige Erfahrung ist gefragt und er kann endlich wieder das tun, was er eigentlich nie ganz aufgegeben hat: ermitteln. Gleichzeitig muss er darauf achten, dass Geli nichts von seinem eigentlichen Auftrag erfährt. Aus dem vermeintlichen Urlaub wird für Stahl also schnell wieder echte Polizeiarbeit.

Doch es bleibt nicht bei einem Opfer. Die Situation wird zunehmend bedrohlicher und die Ermittlungen immer komplizierter. Gerade weil sich alle Beteiligten auf einer Insel befinden, bekommt die Geschichte eine ganz eigene beklemmende Atmosphäre. Niemand kann einfach verschwinden – und gleichzeitig weiß niemand, wem man noch trauen kann.

Besonders gefallen hat mir die Zeitreise ins Jahr 1987. Damals war vieles noch anders. Eine Kommunikation ohne Internet und Handy war deutlich schwieriger. Allein die Suche nach einer Telefonzelle und dem passenden Kleingeld ist heute kaum noch vorstellbar. Auch der Charme des Grandhotels mit Pagen und Liftboy vermittelt eine nostalgische Atmosphäre und weckt Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit.

Dann gibt es noch den geheimnisvollen Knochenmann und einen kleinen Jungen, den er gefangen hält. Dieser Handlungsstrang wirkt zunächst wie ein Nebenschauplatz. Trotzdem war für mich schnell klar, dass diese Geschichte irgendwann mit dem eigentlichen Fall zusammengeführt werden würde. Gerade deshalb blieb der Knochenmann während des Lesens ständig in meinem Hinterkopf.

Durch die immer wieder wechselnden, kurzen Abschnitte, in denen jeweils andere Protagonisten im Mittelpunkt stehen, liest sich der Thriller ausgesprochen flüssig. Die Handlung entwickelt einen regelrechten Sog und ich wollte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Der Autor versteht es zudem hervorragend, kleine Details und scheinbar nebensächliche Hinweise einzubauen, die dem aufmerksamen Leser die Möglichkeit geben, selbst mitzurätseln.

Ein Tatverdächtiger folgt auf den nächsten und jedes Mal glaubt man, einer Lösung näherzukommen. Doch dann ist plötzlich wieder alles anders. Nichts ist so, wie es zunächst scheint, und genau das macht den besonderen Reiz dieses Thrillers aus.

Mich hat die Geschichte von Anfang an gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Besonders die Kombination aus dem nostalgischen Inselsetting, dem ungewöhnlichen Ermittler Stahl und dem raffiniert aufgebauten Fall hat mir sehr gut gefallen.

Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung und verdiente 5 Lesesterne.