Ein Ende ohne Erlösung

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mariehal Avatar

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Als letzter Teil einer Trilogie angelegt, erzählt dieser Roman die Geschichte von Clara Lofthus zu Ende, ohne dass mir beim Lesen bewusst war, dass es sich um den Abschluss einer Reihe handelt. Grundsätzlich hat das gut funktioniert: Die Handlung ist verständlich, wichtige Hintergründe werden angerissen, und man findet ohne große Probleme in die Geschichte hinein. Dennoch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass man Claras Entwicklung und innere Konflikte deutlich besser hätte nachvollziehen können, wenn man die beiden Vorgängerbände gekannt hätte. Gerade ihre Vergangenheit, die hier eine zentrale Rolle spielt, bleibt für Neueinsteiger etwas zu fragmentarisch.

Positiv hervorzuheben ist der Perspektivwechsel: Zunächst zwei, später drei Erzählstimmen ermöglichen einen breiten Blick auf die Geschehnisse rund um Politik, Medien, Macht und persönliche Schuld. Diese Vielstimmigkeit sorgt zwar für Struktur und Übersicht, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mir keine der Figuren wirklich nahekam. Weder Clara noch die Nebenprotagonisten wirkten sympathisch oder emotional nachvollziehbar – eher kühl, berechnend und oft schwer zugänglich. Das mag literarisch gewollt sein, machte das Lesen für mich jedoch anstrengend und wenig mitreißend.

Inhaltlich konnte mich der Roman jedoch nur bedingt überzeugen. Ich fand keinen der Protagonisten wirklich sympathisch, was an sich kein Problem wäre, wenn ihre Motive und Entscheidungen nachvollziehbar gestaltet wären. Genau das fehlte mir aber über weite Strecken. Clara bleibt distanziert, ihre Handlungen wirken oft kühl und strategisch, ohne dass ich emotional Zugang zu ihr gefunden habe. Auch die Nebenfiguren blieben für mich eher funktional als lebendig.

Spannung kam leider kaum auf. Trotz Themen wie Terroranschlag, politischem Aufstieg, Leichenfund und investigativem Podcast blieb die Handlung erstaunlich flach. Vieles wird eher berichtet als erlebt, Konflikte verlaufen im Sande, und selbst dramatische Wendepunkte hinterlassen wenig Eindruck. Das Ende schließlich empfand ich als enttäuschend: Es wirkte unfertig, emotionslos und ließ mich ratlos zurück, statt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Sprachlich ist der Roman solide und sauber geschrieben, daran gibt es nichts auszusetzen. Inhaltlich jedoch blieb er für mich deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ein ambitioniertes Thema, das leider ohne echte Spannung und emotionale Tiefe erzählt wird.