Hochaktueller Serieneinstieg mit Luft nach oben

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Maja Birk, Agentin des dänischen Geheimdienstes (mit Interesse an internationalen Konflikten), ist mit ihrem irakisch-stämmigen Kollegen Ramin im kurdischen Teil der Türkei unterwegs. Sie wirkt zwar oberflächlich bemüht, ihre nordeuropäische Herkunft zu verbergen, fliegt jedoch auf und muss aus dem Land geholt werden. Ramin bleibt ohne Papiere und ohne Geld zurück. In Dänemark entfaltet sich in Majas Team des militärischen Geheimdiensts FE derweil fieberhafte Aktivität vor der Ankunft einer chinesischen Delegation mit Interesse an einem Hafenbau in Grönland. Hellhörig werden die Ermittler, als sie dabei eine falsche Identität aufdecken. Geschwächt durch die Abwesenheit der Chefin ermitteln die Kollegen Daniel Hartmann (verheiratet mit einer podcastenden Enthüllungsjournalistin), Mikael Meisler, Gregers Schmidt als operativer Leiter und der stellvertretende Abteilungsleiter Munk zur Identität der Delegationsmitglieder.

In einer parallelen Handlung wird die chinesische Studentin Jia zur Agententätigkeit am meeresbiologischen Institut gepresst, was sie nicht hindert, einheimische Männer anzuschmachten und sich von ihnen Hilfe in ihrer verfahrenen Situation zu erhoffen. Jia wirkt als Figur extrem unglaubwürdig; denn der chinesische „Dienst“ hätte an einem für die „Belt and Road Initiative" zentralen Punkt vermutlich eine höher qualifizierte Expertin platziert, die nur äußerlich die unbedarfte Studentin gibt. Während Majas und Daniels Paarbeziehungen zunehmend kriseln, gerät besonders Daniel unter Druck, seine Frau Isabella von ihrem Podcast-Projekt abzuhalten. Im Dienst fehlt offenbar ein Sinologe und/oder China-Experte, obwohl Daniel mit einem abgebrochenen Japanologie-Studium zumindest Interesse an Asien zeigt. So landen zunächst China-bezogene Ermittlungsergebnisse aus heiterem Himmel auf dem Tisch der Ermittler, ohne dass z. B. der Spezialist für das Klonen eines chinesischen Handys selbst auftaucht. Mir hat nicht gefallen, dass mit Maja und Jia gleich zwei Frauen unbedarft wirken und dass die beiden Autoren offenbar keine Kinderfiguren darstellen können. Die „kleine“ Emma, Tochter aus Jonas erster Ehe, ist schulpflichtig, bekommt vorgelesen und trainiert regelmäßig eine ungenannte Sportart. Wäre es hier nicht sinnvoll, einfach das Alter zu nennen?

Fazit
Während im ersten Kapitel Maja Birk nicht realisiert, dass sie allein durch ein Tuch auf ihren blonden Haaren an der Grenze zum Irak sicher nicht unauffällig wirken wird und im Folgenden sie und Daniel sehr viel Energie in private Konflikte investieren müssen, kommt es zum Schluss des Agentenromans zum erwarteten gnadenlosen Showdown. Von den hochaktuellen Themen Nordroute und Grönland hatte ich mir hier mehr versprochen. Als Einstiegsband für eine geplante Serie ist zu akzeptieren, dass die Einführung der Figuren breiten Raum einnimmt. Für Agenten, die auf internationalem Parkett agieren, war mir die berufliche Seite von Maja und Daniel bisher jedoch zu flach.