Sehr sehr spannende Einblicke in die Weltpolitik mit einigen Schwächen in der Storyline

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
charlieslesewelt Avatar

Von

Dunkelmann ist ein Politikthriller mit Daniel und Maja als Protagonisten, die für den dänischen Geheimdienst arbeiten und verschiedene, knifflige Missionen zu absolvieren haben. Einer der beiden Autoren war selbst lange Chef des dänischen Geheimdienstes und kann somit natürlich Einblicke in die Arbeit und Strukturen geben, die man als Laie sonst gar nicht erhält.
Das Buch besticht durch eine tolle Aufmachung, das Cover in Kombination mit dem Farbschnitt wirken hochwertig, mysteriös und sind ein absoluter Eyecatcher.
Typisch für einen Thriller beginnt es mit einer spannenden und düsteren Szene, in der man noch nicht weiß, wer die betreffenden Personen sind und sofort ins Rätseln kommt.
Die Kapitel sind größtenteils kurz und der Schreibstil ist sehr angenehm. Das Buch ist in der dritten Person Präsenz aus der Sicht verschiedener Protagonisten geschrieben, was ich in einem Thriller sehr mag.
Es gibt immer wieder nervenaufreibende Verfolgungsjagden und spannende Ereignisse, in denen man nicht weiß, wie welche Personen zusammenhängen und zum Miträtseln angeregt wird. Außerdem sind die Einblicke in die politischen Machenschaften, die Ziele, die verfolgt werden und den Aufwand, der dafür betrieben wird, extrem interessant. Gerade die Methoden und Denkweisen, die von China geschildert werden, sind gleichermaßen schockierend und irgendwie aber auch erwartbar.
Gefehlt hat mir ein roter Faden in der Handlung sowie ein greifbares Ende. Natürlich ist die Arbeit des Geheimdienstes niemals abgeschlossen, genauso wenig wie China plötzlich seine Interessen an der Weltpolitik aufgibt, weswegen es schon logisch ist, dass das Ende gewissermaßen offen gelassen wurde. Für einen Thriller, der ja aber eine fiktive, runde Geschichte ergeben soll, blieben für mich am Ende zu viele Fragen offen und zu viele Dinge ungeklärt. Ein Handlungsstrang in der Türkei beispielsweise, den ich sehr spannend fand, wurde am Ende etwas lapidar abgehandelt, obwohl ich gerne noch mehr erfahren hätte.
Wäre das Buch das Sachbuch deklariert und die persönlichen Probleme der Protagonisten dafür weggelassen worden, hätte ich vermutlich einen Stern mehr gegeben. Für einen Thriller fehlte mir die Stringenz in der Handlung, da hier meiner Meinung an einigen Stellen noch mehr Potenzial zur tieferen Ausführung gewesen wäre.
Trotzdem finde ich das Thema insgesamt extrem spannend und rate jedem, der daran zumindest ein bisschen Interesse hat, sich damit mal näher auseinanderzusetzen - gerne auch mithilfe dieses Buches. Der Schreibstil und das gute Lektorat, was in der heutigen Zeit nicht mehr üblich ist, sind außerdem sehr positiv zu bewerten.