Eine spannende Idee, bei der mir die Zielgruppe Kopfzerbrechen bereitet

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ravenmoon Avatar

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„DunkelZone“ hat mich zunächst mit einer wirklich ungewöhnlichen Idee neugierig gemacht: Mitten in Prag entsteht ein geheimnisvolles Viertel, in dem Elektrizität nicht funktioniert und das sich immer weiter ausbreitet. Dazu kommen drei junge Protagonisten, Geheimnisse, Verfolgungen und jede Menge Abenteuerpotenzial. Gerade der Einstieg ist gelungen, denn man findet schnell in die Geschichte hinein und lernt Jirka, En und Tonda zügig kennen.

Auch die Atmosphäre ist bemerkenswert. Allerdings ist sie für mich nicht nur geheimnisvoll, sondern über weite Strecken -durchgehend düster und bedrückend-. Das liegt dabei gar nicht allein am Setting der DunkelZone, sondern wird durch die Erzählweise und den gesamten Text vermittelt. Selbst ruhigere Passagen tragen diese Schwere in sich.

Und genau hier beginnt mein persönliches Problem mit der angegebenen Altersempfehlung ab 11 Jahren.

Bereits sehr früh geschieht ein Mord, mit dem Jirka erstaunlich souverän umgeht. Im weiteren Verlauf kommen unter anderem Verfolgungen durch einen Mann mit einer Axt und einen Dobermann hinzu. Für einen erwachsenen Leser ist das sicherlich kein Problem. Wenn ich das Buch allerdings aus der Perspektive eines Erwachsenen betrachte, der überlegt, ob er es seinem elfjährigen Kind zum Lesen geben würde, fällt meine Antwort klar aus: -eher nicht-. Mir ist die Kombination aus Mord, Bedrohung und der permanent düsteren Grundstimmung für diese Altersgruppe persönlich zu heftig.

Gleichzeitig frage ich mich aber, ob ältere Jugendliche unbedingt die ideale Zielgruppe wären. Denn obwohl die Geschichte durchaus ihren Reiz hat, bleibt der Erzählfluss über weite Strecken eher verhalten. Es gibt Passagen, die sich beinahe wie eine Geschichtsstunde lesen und die Handlung merklich ausbremsen. Ein älteres Kind oder ein Jugendlicher, der mit der düsteren Thematik problemlos umgehen könnte, könnte sich deshalb möglicherweise an genau diesem eher ruhigen Erzähltempo stören.

Damit hatte ich beim Lesen zunehmend Schwierigkeiten, das Buch altersmäßig einzuordnen. -Für mich passen die düstere und teilweise ziemlich bedrohliche Thematik und das eher gemächliche Erzähltempo nicht ganz stimmig zu einer Zielgruppe ab 11 Jahren.-

Ein kleiner persönlicher Stolperstein waren für mich außerdem die vielen tschechischen Namen. Natürlich passen diese hervorragend zum Schauplatz und ich würde niemals kritisieren, dass die Figuren tschechische Namen tragen. Da ich der tschechischen Sprache allerdings nicht mächtig bin, konnte ich einige Namen tatsächlich nur „überlesen“, ohne sie mir richtig einzuprägen. Wenn mehrere Figuren in kurzer Folge auftauchen, hat mir das stellenweise die Orientierung etwas erschwert.

Sehr gut gefallen haben mir dagegen die hochwertige Aufmachung und das schöne Schriftbild. Die kleinen Illustrationen von Karel Osoha passen wunderbar zur Geschichte und unterstreichen deren Atmosphäre. Davon hätte ich mir allerdings mehr gewünscht – gerade einige ganzseitige Illustrationen hätten das Buch für mich noch stärker aufgewertet.

Unterm Strich bleibt bei mir deshalb ein etwas zwiespältiger Eindruck. -Die Geschichte hat definitiv ihren Reiz, das Setting ist ungewöhnlich und die Grundidee spannend.- Auch kann ich gut nachvollziehen, warum das Buch erfolgreich ist und Auszeichnungen erhalten hat. Für meinen persönlichen Geschmack funktioniert es als Kinderbuch jedoch nicht ganz.

Drei Sterne gibt es deshalb nicht, weil „DunkelZone“ schlecht geschrieben oder uninteressant wäre, sondern weil ich mich während des Lesens immer wieder gefragt habe, -für welche Altersgruppe dieses Buch eigentlich am besten geeignet ist-. Für mich liegt genau dort seine größte Schwäche.

Vielen Dank an vorablesen.de und den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Meine Rezension wurde dadurch nicht beeinflusst und gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.