Kein Strom. Kein Handy. Keine Gefühle?

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phija Avatar

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Könntest du dir vorstellen, auf Fortschritt zu verzichten? Wenn du im fiktiven Prašina, einem Viertel in Prag, leben würdest, dann würde dir nichts anderes übrigbleiben. Denn in dieser sogenannten DunkelZone funktioniert nichts. Kein Strom, keine Motoren, keine Handys – alles wird funktionslos, sobald du das Viertel betrittst. In dem Jugendbuch "DunkelZone" beginnt sich dieser Bereich plötzlich immer stärker auszubreiten. Jirka und seine Freunde En und Tonda versuchen herauszufinden, was dahintersteckt, und geraten so in ein actiongeladenes Abenteuer. Diese Grundidee und der Schauplatz in Prag haben mich gleich sehr neugierig auf das Buch gemacht. Zurückgelassen hat es mich jedoch mit sehr gemischten Gefühlen.

Der Kern der Geschichte ist wirklich überzeugend. Tatsächlich hat es dieses Jugendbuch bei mir geschafft, mich dazu zu bewegen, Fortschritt nochmal aus einem ganz neuen Blickwinkel zu reflektieren. In der Hinsicht bietet der Roman wirklich einen Mehrwert.
Eine wirkliche Schwäche sind für mich allerdings die Figuren. Alle drei verbleiben für mich unglaublich flach. Auch jetzt habe ich kaum eine Ahnung, wer sie überhaupt sind und vor allem, warum sie eigentlich miteinander befreundet sind. Die angedeutete Liebesgeschichte empfand ich insbesondere deswegen leider ziemlich erzwungen. Noch merkwürdiger als das empfand ich aber, wie sich die Figuren verhalten haben. Jirka, En und Tonda handeln immer ziemlich rational und sind kaum oder nur unglaublich kurz davon bewegt, wenn irgendjemand stirbt oder verschwindet. Leider haben die Figuren so kaum eine Möglichkeit geboten, irgendeine Verbindung zu ihnen aufbauen zu können.
Dies wurde auch erschwert durch den eher nüchternen Schreibstil. Der Autor kreiert eine sehr einzigartige, düstere und wirklich actionreiche Atmosphäre, die jedoch durch die fehlende Bindung zu den Figuren leider kaum rüberkam. Es gab eben niemanden, für den ich wirklich mitfiebern konnte oder wollte. Abgesehen davon empfand ich einige Stellen, dafür dass es ein Buch für 11-Jährige sein soll, fast etwas zu düster und gewaltvoll. Ohne irgendwie zu spoilern, lässt sich schon sagen, dass Jirkas Gegenspieler schon zu vielem bereit sind.
Was der Erzählstil aber wirklich bilderstark rüberbringt, ist das Setting. Auch wenn ich nie in Prag war, habe ich doch das Gefühl, einen gewissen Einblick in seine Straßen erhalten zu haben. Schön wäre es an der Stelle gewesen, wenn es bspw. eine Übersicht gegeben hätte, wie man tschechische Namen und Orte ausspricht. Hiervon würden gerade jüngere LeserInnen profitieren, die das nicht so schnell googeln können.

"DunkelZone" ist der erste Band einer Reihe und ich bin ehrlich, leider habe ich wenig Interesse, weiterzulesen. Zu meinem Glück endet dieser Band auch so, dass man es theoretisch dabei belassen kann. Ich denke, für Action-Fans, die weniger Wert legen auf facettenreiche Figuren und spürbare Beziehungen, ist das Buch möglicherweise wirklich ein Highlight. Mich konnte es leider nicht vollends überzeugen, aber trotzdem werde ich wahrscheinlich bei der nächsten (etwas beängstigenden) KI-Weiterentwicklung an "DunkelZone" zurückdenken.