Tolle Grundidee, schwache Umsetzung

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simonef Avatar

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Jirkas Großvater wohnt in Prašina, einem geheimnisvollen Stadtviertel von Prag, in dem keine Elektrizität funktioniert. Diese sogenannte „Dunkelzone“ breitet sich in letzter Zeit immer weiter aus und bedroht weitere Teile von Prag. Als Jirka eines Tages seinen Opa besucht, wird er Zeuge merkwürdiger Vorgänge und eines schrecklichen Ereignisses. Zusammen mit seinen Freunden Anastasia, genannt En, und Tonda versucht er, dem Geheimnis der Dunkelzone auf die Spur zu kommen. Dabei sind den dreien jedoch skrupellose Ganoven auf den Fersen, und welche Rolle spielt eigentlich Jirkas Opa?

Mit „Dunkelzone“ hat Vojtěch Matocha einen düsteren Jugendthriller geschaffen, der sich wendungsreich entwickelt und einiges an Action bietet. Aufgrund der durchgehend bedrückenden Grundstimmung und einiger bedrohlicher Szenen würde ich die Altersempfehlung von 11 Jahren keinesfalls unterschreiten. Mein Sohn (12) kam gut damit zurecht.

Das Setting hat viel Potential, doch leider schöpft der Autor dieses nicht aus. Die Charaktere bleiben blass, ihre Handlungen sind (insbesondere bei einer Figur) nur schwer nachvollziehbar und eher unglaubwürdig. Jirkas Sorgen und Gedanken wiederholen sich ständig und sind irgendwann ermüdend. Seine aufkeimenden Gefühle für En wirken künstlich, als hätte der Autor bei einem Jugendbuch eben noch ein bisschen Verliebtheit unterbringen wollen. So ziemlich alles, was die Kids anfassen, geht schief, und sie stolpern von einer Misere in die nächste, so dass ihr Handeln recht planlos erscheint. Das Ende war relativ vorhersehbar, aber die Idee dahinter fanden mein Sohn und ich interessant.

Was mich beim Lesen wirklich extrem gestört hat und für mich letztendlich dazu führt, dass ich „DunkelZone“ nicht weiterempfehlen kann, sind die massiven Zeitfehler im Deutschen. Der Text wechselt ständig zwischen Präteritum und Präsens. Zudem wird als Vorvergangenheit des Präteritums regelmäßig Perfekt verwendet anstatt Plusquamperfekt. Das darf, gerade bei einem Kinder- und Jugendbuch, nicht passieren. Hierzu zwei Beispiele:

Zitat 1: „Die trampelnden Schritte hinter ihm kamen näher und näher. Er muss noch schneller laufen. Es geht nicht. Sie kriegen mich, begriff Jirka noch, bevor er an der Schulter gepackt und zu Boden gerissen wurde. Ein stechender Schmerz im Knie, ein Schlag gegen das Kinn, der Abdruck des rauen Pflasters im Gesicht, der Geruch von Blut. Dann hörte er Glas zersplittern. Beim Sturz ist ihm die grüne Glühbirne aus der Hand gefallen. Er öffnete ein Auge. Dicht vor seinem Gesicht sah er ein Knie in dunklen Jeans. Kraus’ Komplize kniete in der grünlichen Lache, die die Glühbirne hinterlassen hat.“

Zitat 2: „»Was, wenn hier jemand auf uns wartet?«, fragte En. »Keine Angst, niemand weiß, dass Patrik etwas zurückgelassen hat«, sprach ihr Jirka Mut zu und zündete ein Streichholz an. En konnte aber recht haben. Was, wenn Hrouda begriffen hat, dass noch etwas im Rucksack gewesen sein muss? Oder sie haben die Tüte längst gefunden und gehen davon aus, dass jemand kommt, um sie abzuholen. Wartet Kraus hier? Im Dunkeln, leise, bis sie in greifbarer Nähe sind…“

Insgesamt konnte uns „DunkelZone“ nicht überzeugen, so dass wir die Reihe nicht weiterverfolgen werden.