Absolute Leseempfehlung!

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Ein guter Charakter von Julie Orringer

Na klar, das Buch macht natürlich als allererstes durch das wunderschöne Cover auf sich aufmerksam. Auch ich wurde zunächst optisch eingefangen und bin sehr dankbar dafür. Der Titel selbst hätte mich vermutlich nicht dazu animiert, mir das Buch genauer anzusehen (der englische Originaltitel „Luna Phoenix Queen“ vermutlich schon – dennoch ist der deutsche Titel passend zum Buch gewählt).

Der Roman handelt von einer dementen Professorin und ihrem Mann, der ein Manuskript von ihr als eigenes ausgibt. Während sich dieser Aspekt der Erzählung durch das ganze Buch zieht, tauchen links und rechts aber viele unterschiedliche Nebenschauplätze auf und sorgen dafür, dass wir es mit einem sehr tiefgründigen Text zu tun haben. Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Figur erzählt, und diese unterschiedlichen Perspektiven tragen unheimlich viel zur Qualität des Buches bei. Ich fand es immer wieder aufs Neue spannend, Lücken zu füllen, bestimmte Elemente aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und vor allem die unterschiedlichen Beziehungskonstrukte anzuschauen.

Das Thema Demenz scheint derzeit ein Thema zu sein, dem sich einige Romane widmen. Besonders gehyped wurde in den letzten Wochen Emma Clines In die Schweiz und im direkten Vergleich muss ich sagen, dass Ein guter Charakter mich wesentlich mehr begeistern konnte. Orringer schafft es auf ganz wunderbare Weise, Empathie für ihre Protagonistin aufzubauen, ohne dass man dabei in Mitleid ertrinkt. Besonders überrascht hat mich die Zärtlichkeit, die auf vielen Seiten mitschwingt, und die so gut dosiert ist, wie ich es selten erlebt habe.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!