Richtig, richtig gut!
Ein guter Charakter von Julie Orringer (Aufbau Verlage GmbH)
Aber etwas stimmte nicht, und diese Unstimmigkeit wurde täglich größer. Dava, der strahlende Mittelpunkt jedes Gesprächs, wurde immer stiller. Ihr geordneter Haushalt geriet aus dem Takt, als Dava sich mit Aufgaben schwertat, die sie immer übernommen hatte – einfache Reparaturen, die Essensplanung, Updates von Software und Geräten, das Verwalten von Rechnungen und Steuern -,und Pennington versuchte, für sie einzuspringen, was er nicht immer gut und klaglos schaffte. S.35/36
Die Geschichte ist fortlaufend und rückblickend aus der Sichtweise unterschiedlicher Protagonisten geschrieben. Das macht sie unheimlich interessant und funktioniert hervorragend. Der Ehemann Barr, der seiner dementen Frau die Geschichte stielt, die Studentin und Haushaltshilfe Evie, die mehr weiß, als der Ehemann der dementen Frau ahnt, die Söhne, die Geliebte, Svetlana, die eine heimliche Affäre mit der Ehefrau hat und Dava selbst, die Uniprofessorin, die ihr Gedächtnis langsam verliert. Sie lebt zwischen Gedankenfetzten, lichten Momenten und Rückzug ihren immer begrenzenderen Alltag. Und dann der Hund, der für jeden ein anderer Anker ist und der durch surreale Fragmente eine interessante und zielführende Schlüsselfunktion im Roman einnimmt.
Die verschiedenen Blickwinkel ermöglichen einen direkten Einblick, wie die Figuren ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen und den vordergründigen Themen umgehen.
Julie Orringer ist eine feine Bebobachterin. Im verborgenen liegt die Wahrheit und man kann oder will sie manchmal einfach nicht sehen, vielleicht auch nicht wahrhaben. Die Figuren leben nebeneinander her, man glaubt sich zu kennen und letzendlich weiß man nicht wirklich, was in dem Kopf des anderen vorgeht. Man liest von der Unfähigkeit sich in jemanden hineinzuversetzten. Somit scheitert der Versuch, den anderen zu verstehen. Aus diesem Grund kommt es zu der Situation, dass Professor Barr die handschriftlichen, vor ihm versteckten Aufzeichnungen seiner Ehefrau Dava umdeutet , verärgert und dem männlichen Ego angepasst, in eine für ihn gefällige und eigene Geschichte umschreibt und unter seinem eigenen Namen als Roman vermarktet. Ihm spielt in die Hände, dass Dava ihre Erinnerung durch die Erkrankung verliert. Die Autorin hält uns die Vergänglichkeit vor Augen. Egal, ob arm oder reich, in Davas Fall hochintelligent, am Ende sind wir gleich.
Doch die melancholischen Töne halten nicht an, denn Dava sorgt für erfrischende Momente. Sie schafft es jedoch nicht immer und immer seltener die Überforderung der Angehörigen und Lieben abzumildern.
Fazit: Julie Orringers Roman ist feinfühlig erzählt. Die Autorin greift tiefgründige Themen auf und setzt diese stilistisch und sprachlich grandios um. Ich habe diesen ergreifenden Roman sehr gern gelesen. Anspruchsvolle Literatur, die nachdenklich stimmt. Eine klare Leseempfehlung!
Aber etwas stimmte nicht, und diese Unstimmigkeit wurde täglich größer. Dava, der strahlende Mittelpunkt jedes Gesprächs, wurde immer stiller. Ihr geordneter Haushalt geriet aus dem Takt, als Dava sich mit Aufgaben schwertat, die sie immer übernommen hatte – einfache Reparaturen, die Essensplanung, Updates von Software und Geräten, das Verwalten von Rechnungen und Steuern -,und Pennington versuchte, für sie einzuspringen, was er nicht immer gut und klaglos schaffte. S.35/36
Die Geschichte ist fortlaufend und rückblickend aus der Sichtweise unterschiedlicher Protagonisten geschrieben. Das macht sie unheimlich interessant und funktioniert hervorragend. Der Ehemann Barr, der seiner dementen Frau die Geschichte stielt, die Studentin und Haushaltshilfe Evie, die mehr weiß, als der Ehemann der dementen Frau ahnt, die Söhne, die Geliebte, Svetlana, die eine heimliche Affäre mit der Ehefrau hat und Dava selbst, die Uniprofessorin, die ihr Gedächtnis langsam verliert. Sie lebt zwischen Gedankenfetzten, lichten Momenten und Rückzug ihren immer begrenzenderen Alltag. Und dann der Hund, der für jeden ein anderer Anker ist und der durch surreale Fragmente eine interessante und zielführende Schlüsselfunktion im Roman einnimmt.
Die verschiedenen Blickwinkel ermöglichen einen direkten Einblick, wie die Figuren ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen und den vordergründigen Themen umgehen.
Julie Orringer ist eine feine Bebobachterin. Im verborgenen liegt die Wahrheit und man kann oder will sie manchmal einfach nicht sehen, vielleicht auch nicht wahrhaben. Die Figuren leben nebeneinander her, man glaubt sich zu kennen und letzendlich weiß man nicht wirklich, was in dem Kopf des anderen vorgeht. Man liest von der Unfähigkeit sich in jemanden hineinzuversetzten. Somit scheitert der Versuch, den anderen zu verstehen. Aus diesem Grund kommt es zu der Situation, dass Professor Barr die handschriftlichen, vor ihm versteckten Aufzeichnungen seiner Ehefrau Dava umdeutet , verärgert und dem männlichen Ego angepasst, in eine für ihn gefällige und eigene Geschichte umschreibt und unter seinem eigenen Namen als Roman vermarktet. Ihm spielt in die Hände, dass Dava ihre Erinnerung durch die Erkrankung verliert. Die Autorin hält uns die Vergänglichkeit vor Augen. Egal, ob arm oder reich, in Davas Fall hochintelligent, am Ende sind wir gleich.
Doch die melancholischen Töne halten nicht an, denn Dava sorgt für erfrischende Momente. Sie schafft es jedoch nicht immer und immer seltener die Überforderung der Angehörigen und Lieben abzumildern.
Fazit: Julie Orringers Roman ist feinfühlig erzählt. Die Autorin greift tiefgründige Themen auf und setzt diese stilistisch und sprachlich grandios um. Ich habe diesen ergreifenden Roman sehr gern gelesen. Anspruchsvolle Literatur, die nachdenklich stimmt. Eine klare Leseempfehlung!