Warmherzig und berührend
Ein warmherziger und wirklich berührender Roman - damit hätte ich gar nciht gerechnet!
Für Barr und Dava, ein angesehenes Professorenehepaar an einer Universität im Mittleren Westen der USA, ist das Leben scheinbar geordnet, doch unter der Oberfläche bröckelt die Fassade. Dava fühlt sich in ihrer Ehe längst unerfüllt und arbeitet nachts an einem eigenen, geheimen Roman – beflügelt durch eine innige Affäre mit ihrer Kollegin Svetlana. Als Dava jedoch an einer fortschreitenden Demenz erkrankt und nach und nach ihr Gedächtnis verliert, ändert sich alles. Denn Barr hat die Romannotizen entdeckt und schreibt nun die Geschichte nach seinen Vorstellungen um.
Julie Orringer war mir bislang völlig unbekannt, aber mit diesem Roman hat sie mich von der ersten Seite an gepackt – ich werde definitiv nach weiteren Werken von ihr Ausschau halten. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Blickwinkeln der verschiedenen Schlüsselfiguren erzählt, was einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelten möglich macht.
Die Charaktere und ihre Entwicklung haben mich völlig begeistert – so gut sind sie gezeichnet. Barr fand ich zu Beginn sogar echt sympathisch, auch wenn er eine leicht patriarchale Ader hat. Er wirkt kühl und reflektiert – und genau das macht sein Verhalten im Verlauf so problematisch. Je mehr ich über ihn erfuhr, desto mehr Sympathiepunkte hat er bei mir verloren. Sein zunehmend unsicherer Umgang mit der Demenz seiner Frau und sein tief sitzender Frust über die eigenen Misserfolge als Autor treiben ihn fast in den Wahnsinn. Sogar die Tatsache, dass er einen ganz bestimmten Hund aus dem Tierheim nicht bekommen hat, setzt ihm extrem zu.
Seine Ehefrau Dava steht im Mittelpunkt des Romans: Sie ist eine feine, kluge und selbstbewusste Frau mit einer wichtigen Stimme. Zu erleben, wie sie an Demenz erkrankt und wie ihr Verfall fortschreitet, ist so realistisch und feinfühlig beschrieben, dass es mir regelrecht das Herz gebrochen hat.
Anfangs noch eher eine Nebenfigur, wird ihre Rolle immer präsenter: Evie arbeitet bei Barr als Rechercheassistentin, hat aber in ihrem eigenen Leben auch einige Päckchen zu tragen. Obwohl der Job sie selbst nicht wirklich weiterbringt und sie sich in ihrer Rolle oft unwohl fühlt, bleibt sie dem Job treu und transkribiert später Davas Bücher.
Auch Svetlana tritt anfangs als Nebencharakter auf, rückt aber immer weiter in den Vordergrund. Sie ist Davas Geliebte, eine tolle, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Sie wird von Dava zwar immer etwas hingehalten, steht aber dennoch – gerade auch bei immer weiter fortschreitender Erkrankung – unerschütterlich zu ihr. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie sie Dava auch dann noch beisteht, als diese sie durch die Krankheit kaum noch erkennt, und wie sie versuchen muss, ihr eigenes Leben irgendwie weiterzuführen.
Kein eigenes Kapitel hat der Hund, der in meinen Augen der Titelgeber ist. Der englische Originaltitel „Luna, Phoenix, Queen“ trifft es aber fast noch besser, denn im Laufe der Geschichte klärt sich, warum er verschiedene Namen trägt. Er ist wie ein kleiner Therapiehund für all diese verletzten Seelen.
Der Aufbau über die verschiedenen Blickwinkel funktioniert hervorragend, weil es nicht nur um die Krankheit geht, sondern auch um die drängende Frage, was mit Davas Buch geschehen soll. Der Schreibstil ist unglaublich warm, voller Gefühl und nie kitschig oder blumig. Julie Orringer vermittelt eine ganz besondere, melancholische Atmosphäre, die lange nachwirkt – gerade weil Dava immer mehr entschwindet und nicht mehr die Frau sein kann, die alle kannten.
Ein warmer, berührender Roman, den ich sehr gerne gelesen habe!
Für Barr und Dava, ein angesehenes Professorenehepaar an einer Universität im Mittleren Westen der USA, ist das Leben scheinbar geordnet, doch unter der Oberfläche bröckelt die Fassade. Dava fühlt sich in ihrer Ehe längst unerfüllt und arbeitet nachts an einem eigenen, geheimen Roman – beflügelt durch eine innige Affäre mit ihrer Kollegin Svetlana. Als Dava jedoch an einer fortschreitenden Demenz erkrankt und nach und nach ihr Gedächtnis verliert, ändert sich alles. Denn Barr hat die Romannotizen entdeckt und schreibt nun die Geschichte nach seinen Vorstellungen um.
Julie Orringer war mir bislang völlig unbekannt, aber mit diesem Roman hat sie mich von der ersten Seite an gepackt – ich werde definitiv nach weiteren Werken von ihr Ausschau halten. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Blickwinkeln der verschiedenen Schlüsselfiguren erzählt, was einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelten möglich macht.
Die Charaktere und ihre Entwicklung haben mich völlig begeistert – so gut sind sie gezeichnet. Barr fand ich zu Beginn sogar echt sympathisch, auch wenn er eine leicht patriarchale Ader hat. Er wirkt kühl und reflektiert – und genau das macht sein Verhalten im Verlauf so problematisch. Je mehr ich über ihn erfuhr, desto mehr Sympathiepunkte hat er bei mir verloren. Sein zunehmend unsicherer Umgang mit der Demenz seiner Frau und sein tief sitzender Frust über die eigenen Misserfolge als Autor treiben ihn fast in den Wahnsinn. Sogar die Tatsache, dass er einen ganz bestimmten Hund aus dem Tierheim nicht bekommen hat, setzt ihm extrem zu.
Seine Ehefrau Dava steht im Mittelpunkt des Romans: Sie ist eine feine, kluge und selbstbewusste Frau mit einer wichtigen Stimme. Zu erleben, wie sie an Demenz erkrankt und wie ihr Verfall fortschreitet, ist so realistisch und feinfühlig beschrieben, dass es mir regelrecht das Herz gebrochen hat.
Anfangs noch eher eine Nebenfigur, wird ihre Rolle immer präsenter: Evie arbeitet bei Barr als Rechercheassistentin, hat aber in ihrem eigenen Leben auch einige Päckchen zu tragen. Obwohl der Job sie selbst nicht wirklich weiterbringt und sie sich in ihrer Rolle oft unwohl fühlt, bleibt sie dem Job treu und transkribiert später Davas Bücher.
Auch Svetlana tritt anfangs als Nebencharakter auf, rückt aber immer weiter in den Vordergrund. Sie ist Davas Geliebte, eine tolle, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Sie wird von Dava zwar immer etwas hingehalten, steht aber dennoch – gerade auch bei immer weiter fortschreitender Erkrankung – unerschütterlich zu ihr. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie sie Dava auch dann noch beisteht, als diese sie durch die Krankheit kaum noch erkennt, und wie sie versuchen muss, ihr eigenes Leben irgendwie weiterzuführen.
Kein eigenes Kapitel hat der Hund, der in meinen Augen der Titelgeber ist. Der englische Originaltitel „Luna, Phoenix, Queen“ trifft es aber fast noch besser, denn im Laufe der Geschichte klärt sich, warum er verschiedene Namen trägt. Er ist wie ein kleiner Therapiehund für all diese verletzten Seelen.
Der Aufbau über die verschiedenen Blickwinkel funktioniert hervorragend, weil es nicht nur um die Krankheit geht, sondern auch um die drängende Frage, was mit Davas Buch geschehen soll. Der Schreibstil ist unglaublich warm, voller Gefühl und nie kitschig oder blumig. Julie Orringer vermittelt eine ganz besondere, melancholische Atmosphäre, die lange nachwirkt – gerade weil Dava immer mehr entschwindet und nicht mehr die Frau sein kann, die alle kannten.
Ein warmer, berührender Roman, den ich sehr gerne gelesen habe!