Wenn eine Krankheit die eigene Persönlichkeit auslöscht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
wi-ing Avatar

Von

Schon die schlichte Covergestaltung mit dem Hund und der Taube hat mir sehr gut gefallen. Sie wirkt unaufgeregt und passt wunderbar zu diesem besonderen Roman.

Die Geschichte hat mich insgesamt sehr begeistert. Besonders spannend fand ich die Thematik der Demenz und wie diese Krankheit Dava nach und nach verändert und immer mehr von ihrer Persönlichkeit auszulöschen scheint. Es war bewegend zu lesen, wie ihr zunehmend die Kontrolle über die eigene Geschichte und ihr Leben entgleitet. Gerade dieser schleichende Verlust hat mich emotional sehr mitgenommen.

Auch der Erzählstil mit den wechselnden Perspektiven hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dadurch bekommt man einen Einblick in die Gedanken und Wahrnehmungen der verschiedenen Figuren und weiß als Leser teilweise schon, was andere Personen lediglich ahnen oder noch gar nicht erkannt haben. Das hat für mich eine zusätzliche Spannung erzeugt und die Geschichte besonders vielschichtig gemacht.

An der einen oder anderen Stelle schlägt der Roman durch die Geschichte des verletzten Hundes allerdings auch eine etwas mystische, beinahe übernatürliche Richtung ein. Das muss man mögen, denn diese Elemente unterscheiden sich spürbar von der ansonsten eher realitätsnahen und emotionalen Erzählung.

Ein wenig irritiert hat mich außerdem die Buchbeschreibung auf der Rückseite. Der Manuskriptklau wird dort sehr stark in den Vordergrund gestellt, sodass ich eine andere Geschichte und vor allem andere Auswirkungen dieses Diebstahls erwartet hatte. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt für mich ganz woanders.

Davon abgesehen hat mich der Roman wirklich überzeugt. Er erzählt auf eindringliche Weise vom Erinnern und Vergessen, von Beziehungen und vom Verlust der eigenen Identität.