Ich bin enttäuscht!
Haus aus Salz und Tränen von Erin A. Craig konnte mich leider nicht so überzeugen, wie ich es mir erhofft hatte. Die Grundidee mit den mysteriösen Todesfällen, einem alten Fluch, Geistern und einem abgeschiedenen Insel-Setting hat mich sofort angesprochen. Auch das Worldbuilding mit den Göttern und den traditionellen Bräuchen war atmosphärisch und interessant ausgearbeitet.
Leider blieb das Potenzial der Geschichte für mich weitgehend ungenutzt. Statt den Mystery- und Horrorelementen mehr Raum zu geben, lag der Fokus oft auf Bällen, Kleidern und dem gesellschaftlichen Leben der Schwestern. Dadurch zog sich die Handlung für meinen Geschmack an einigen Stellen deutlich in die Länge. Die wenigen gruseligen Szenen konnten mich ebenfalls nicht wirklich packen, sodass der angekündigte Gothic-Horror für mich kaum spürbar war. Als Fantasyroman funktioniert das Buch deutlich besser als als Horror- oder Mysterygeschichte.
Auch mit den Figuren bin ich leider nie richtig warm geworden. Besonders die Naivität der Schwestern machte es mir schwer, eine emotionale Bindung aufzubauen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass sich das Buch eher an ein jüngeres Publikum richtet.
Der Schreibstil ließ sich zwar flüssig lesen, wirkte auf mich aber stellenweise etwas holprig. Trotzdem war ich lange neugierig genug, um wissen zu wollen, was hinter den rätselhaften Todesfällen steckt. Die Auflösung selbst war solide und hielt sogar einen kleinen Twist bereit, allerdings wurde mir die eigentliche Erklärung der Ereignisse zu knapp abgehandelt. Besonders das Ende konnte meine zuvor aufgebauten Erwartungen leider nicht erfüllen. In den letzten Kapiteln wurde die Handlung zunehmend abstrus und einige Zusammenhänge wirkten auf mich konstruiert oder wenig nachvollziehbar. Dadurch verlor die Geschichte für mich leider deutlich an Stärke.
Optisch ist die neue Ausgabe hingegen ein echtes Highlight und macht sich wunderschön im Regal. Inhaltlich bleibt für mich aber das Gefühl, dass hier sehr viel Potenzial verschenkt wurde.