Tanz in den tot

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evaerl Avatar

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Ich habe dieses Buch wirklich verschlungen. „Ein Haus aus Salz und Tränen“ war für mich eine dieser Geschichten, bei denen man sich vornimmt, nur noch ein Kapitel zu lesen und plötzlich ist man viel tiefer in Highmoor versunken, als man eigentlich wollte. Erin A. Craig erschafft hier eine düstere, märchenhafte Adaption von „Die zwölf tanzenden Prinzessinnen“, die gleichzeitig wunderschön, unheimlich, traurig und magisch ist.

Die Handlung lebt von dieser ganz besonderen Mischung aus Eleganz und Dunkelheit. Einerseits gibt es Bälle, Tanz, wunderschöne Kleider, familiäre Nähe und eine beinahe friedliche Meeresatmosphäre. Andererseits liegt über allem ein Schatten: Todesfälle, Albträume, Geistererscheinungen, Gerüchte über einen Fluch und dieses ständige Gefühl, dass in Highmoor etwas nicht stimmt. Genau diese Gegensätze haben mich so fasziniert. Das Buch fühlt sich an wie Meeresrauschen bei Nacht schön, aber auch bedrohlich.

Annaleigh mochte ich von Anfang an sehr. Sie ist eine unglaublich empathische, warmherzige und kluge Protagonistin. Besonders gefallen hat mir, dass sie nicht naiv wirkt, obwohl sie ein großes Herz hat. Sie beobachtet, hinterfragt und versucht, die Wahrheit herauszufinden, auch wenn sie dabei immer wieder an ihre Grenzen kommt. Dadurch konnte ich mich sehr gut in sie hineinversetzen, vor allem weil man die Geschichte aus ihrer Perspektive erlebt und gemeinsam mit ihr zweifelt, rätselt und hofft.

Auch die Schwesternbeziehungen fand ich wunderschön und gleichzeitig sehr schmerzhaft. Verity war für mich besonders süß das Küken der Familie, liebenswert, verletzlich und irgendwie goldig. Ihre Verbindung zu Annaleigh hat mich sehr berührt, weil man spürt, wie viel Schutz, Liebe und Verantwortung darin liegt. Camille war für mich anfangs die Schwester, mit der ich am wenigsten warm geworden bin. Trotzdem fand ich spannend, dass sie nicht eindimensional geschrieben ist und sich mein Blick auf sie im Laufe der Geschichte verändert hat.

Besonders stark fand ich den Mystery-Anteil. Die Frage, was wirklich hinter den Todesfällen steckt, sorgt dafür, dass man ständig miträtselt. Immer wieder gibt es neue Hinweise, neue Verdachtsmomente und neue Wendungen. Gerade diese Mischung aus Mordfall, Familienfluch und psychologischem Wahnsinn macht die Geschichte so packend. Man weiß irgendwann selbst nicht mehr, was real ist und was nicht. Sind es Halluzinationen? Albträume? Geister? Oder steckt doch etwas ganz anderes dahinter? Dieses Gefühl, dem eigenen Verstand nicht mehr ganz trauen zu können, hat das Buch für mich unglaublich intensiv gemacht.

Auch die romantischen Elemente haben mir gefallen. Mit Cassius und Fisher gibt es zwei männliche Figuren, die auf unterschiedliche Weise Spannung in Annaleighs Leben bringen. Dabei steht die Liebesgeschichte aber nicht zu stark im Vordergrund, sondern fügt sich eher in die düstere, geheimnisvolle Atmosphäre ein. Gerade diese leisen Entwicklungen, das vorsichtige Vertrauen und die Unsicherheit haben für mich gut funktioniert.

Der Schreibstil war atmosphärisch, bildhaft und sehr einnehmend. Erin A. Craig schafft es, Schönheit und Schrecken auf derselben Seite unterzubringen. Das Worldbuilding rund um Highmoor, das Meer, die Familie und die alten Bräuche wirkt märchenhaft, aber nie kitschig. Alles fühlt sich salzig, neblig, kalt und geheimnisvoll an als würde man selbst durch die dunklen Flure dieses Hauses gehen.

Mein Fazit: „Ein Haus aus Salz und Tränen“ ist ein wunderschön düsteres, emotionales und spannendes Buch voller Geheimnisse, Schwesternliebe, unheimlicher Atmosphäre und märchenhafter Magie. Für mich war es eine Geschichte, die mich komplett eingesogen hat und die ich vor allem wegen ihrer Stimmung, ihrer Figuren und ihrer unerwarteten Wendungen so geliebt habe. Wer dunkle Märchenadaptionen, Mystery, Gothic-Vibes und emotionale Familiengeschichten mag, sollte dieses Buch unbedingt lesen.