Wo das Meer seine Toten nicht vergisst

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bücherdrache Avatar

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Ein Haus aus Salz und Tränen hat mich vor allem wegen seiner Atmosphäre überzeugt. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, den salzigen Wind von den Klippen zu spüren und die Brandung gegen die Felsen schlagen zu hören. Highmoor ist eines jener Anwesen, die man sich mühelos vorstellen kann. Die alten Mauern, das allgegenwärtige Meer und die Schatten der Vergangenheit verleihen dem Roman eine Stimmung, die sich durch die gesamte Geschichte zieht.

Besonders faszinierend fand ich die vom Meer geprägte Welt. Die Bräuche, Legenden und Vorstellungen vom Tod unterscheiden sich von dem, was man aus vielen anderen Fantasyromanen kennt, und geben der Geschichte ihren ganz eigenen Charakter. Immer wieder hatte ich das Gefühl, durch einen seltsamen Traum zu wandern, in dem Schönheit und Unheil untrennbar miteinander verbunden sind.

Im Mittelpunkt steht Annaleigh, deren Familie von mehreren rätselhaften Todesfällen erschüttert wurde. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto unsicherer wird, was wirklich geschieht und was nur eine Täuschung sein könnte. Diese permanente Unsicherheit hat für mich einen großen Teil der Spannung ausgemacht. Ich habe ständig an meinen eigenen Vermutungen gezweifelt und war nie sicher, ob ich den Ereignissen trauen konnte.

Neben den Geheimnissen und den unheimlichen Elementen haben mir auch die Beziehungen der Schwestern untereinander gefallen. Hinter den dunklen Ereignissen steht eine Familie, die von Verlust und Trauer geprägt ist und dennoch versucht, zusammenzuhalten.

Erin A. Craig schreibt bildhaft und stimmungsvoll. Manche Szenen wirkten auf mich beinahe wie Gemälde, andere waren überraschend düster und verstörend. Die Handlung entwickelt sich zunächst eher ruhig, gewinnt aber zunehmend an Intensität und führte mich zu einem Ende, das einige Überraschungen bereithielt.

Für mich war dies eine ungewöhnliche Märchennacherzählung, die weniger von Romantik als von Geheimnissen, düsteren Legenden und ihrer eindringlichen Atmosphäre lebt. Vor allem die Bilder von Meer, Nebel und den nächtlichen Tänzen sind mir lange im Gedächtnis geblieben.