Herzensbuch mit kritischem Einschub

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„Ein Hund namens Katze“ ist der erste Teil einer fünfteiligen Kinderbuchreihe rund um eine unwahrscheinliche Freundschaft, die genau im richtigen Moment entsteht.

„Katze“ ist ein junger Hund, ein „räudiger Mischling“, der im Gepäck vor allem eines mit sich trägt: die Erwartung an ihn, jemand zu sein, der er aber nicht ist, nämlich eine starke, unabhängige Katze. Und das bringt ganz viel Unsicherheit mit sich und die Frage: Was stimmt nicht mit Katze und wieso fühlt er sich einsam, obwohl er doch eigentlich selbstsicher und frei durchs Leben schreiten sollte?

Doch dann trifft er auf Marder. Marder ist ein selbsternannter „Suffkopp“ und „Alki“, ein Obdachloser am Rande der Gesellschaft, der selbst bestimmt und frei lebt und wenig auf die Erwartungen anderer gibt. Und genau diese sich entwickelnde Freundschaft ist es, die Katze dabei hilft, seine eigene Stimme zu finden und das Verständnis dafür erobert, wer er eigentlich ist.

Das Buch hat an einigen Stellen eine recht derbe Sprache, zeigt das Leben in all seiner Buntheit, aber ungeschönt. Und die Illustrationen spiegeln das super wieder; sie sind farbenfroh und aufregend, immer mal wieder versehen mit kleinen skurrilen Anstrichen. Wenn man diesen Stil mag, dann haben die Bilder großes Potenzial, dass man sich in sie verlieben kann (so bei mir geschehen). Was mir jedoch ein wenig aufgestoßen ist, ist der Umgang mit Alkohol. Zwar wird er nicht romantisiert und Marder, der sein ganzes autonomes Leben um das Kehlengift herum aufzubauen scheint, nicht als Held inszeniert, dennoch ist der Umgang damit doch (zu) wenig kritisch und wird nicht gut eingeordnet. Vielleicht ist das ein Thema, das sich im Laufe der Reihe entwickelt, betrachtet man das Buch jedoch als Einzelwerk, so würde ich mir hier explizit noch ein paar kritische Worte wünschen. Für bspw. Kinder von alkoholkranken Eltern könnte diese Darstellung viel zu wenig reflektiert sein.

Aber dafür bestärkt die Geschichte darin, den Mut zu haben, zu sich selbst zu stehen, auch wenn Erwartungen von Außen dies sehr schwer machen können. Es lädt dazu ein, sich die Frage zu stellen, wer man, ganz authentisch und ungezwungen, ist und wie man sich in einer Welt voller gesellschaftlicher Zuschreibungen nicht selber aus den Augen verliert. Denn für jeden gibt es einen Platz in der Gesellschaft und Menschen, die ihn oder sie in die Mitte aufnehmen werden. Und genau das macht das Buch ganz großartig und daher hoffe ich sehr, dass auch die anderen vier Teile der Reihe einen Platz im Jupitermond Verlag finden werden!