Gedanklich anregend, aber sehr theoretisch/analytisch

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noiram Avatar

Von

Keiichirō Hiranos Roman Ein letztes Mal Mensch entwirft ein faszinierendes, melancholisches Szenario im Tokio der frühen 2040er-Jahre. Im Zentrum der Handlung steht der 29-jährige Sakuya Ishikawa, der nach dem Tod seiner Mutter an einer tiefen emotionalen Leere leidet. Um diesen Verlust zu bewältigen, wendet er sich an ein Unternehmen, das hyper-realistische „Virtuelle Figuren“ (VFs) verstorbener Angehöriger erstellt. Parallel dazu geht Sakuya einer ungewöhnlichen Beschäftigung nach: Er arbeitet als „realer Avatar“ und dient als menschliche Drohne, die ihren Körper und ihre Sinneswahrnehmungen an bettlägerige oder verhinderte Kunden vermietet.
​Der Schreibstil ist ruhig, introspektiv und stark von philosophischen Überlegungen zur menschlichen Existenz, Vergänglichkeit und Kommunikation geprägt. Die Leseprobe wirft spannende Fragen darüber auf, wie logischer Fortschritt und künstliche Simulationen in der Trauerbewältigung eingesetzt werden können.
​Dennoch bleibt die Erzählung in den ersten Kapiteln sehr theorielastig und analytisch. Die emotionalen Konflikte werden oft durch ausführliche Erklärungen zu den technischen Hintergründen der VFs und der Avatar-Arbeit gedämpft, wodurch das Geschehen zeitweise etwas distanziert und kühl wirkt. Ein gedanklich anregender, klug konstruierter Auftakt, der jedoch eher den Intellekt als das reine Lesevergnügen anspricht.