Spannend über verschiedene Jahrzehnte

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Die Leseprobe wirkt unglaublich bildhaft und atmosphärisch dicht geschrieben. Besonders stark fand ich, wie über konkrete Details (Pflanzen, Schulhof, Geräteraum, Marktszenen, politische Plakate) eine ganze Zeit und Stimmung aufgebaut wird: einmal Istanbul der 1920er, dann Münster der 1930er, dann die Gegenwart.

Inhaltlich geht es um Frauen, die in verschiedenen Epochen ihren Platz in einer sich verändernden Welt suchen: Mehpare im säkularisierten Istanbul Atatürks, Imke als junge Geografin mit Verantwortung für ihre labile Mutter, Magda als Professorengattin im beginnenden Nationalsozialismus. Alles ist über den Ort und die Pflanzen (Akanthus, Botanischer Garten, Institut) miteinander verflochten.

Die Sprache ist eher sinnlich-anschaulich als nüchtern: viele Bilder, Gerüche, kleine Alltagsbeobachtungen, die gleichzeitig schon leise größere Konflikte andeuten (Religion vs. Moderne, Freiheit vs. Abhängigkeit, politische Radikalisierung). Das macht neugierig darauf, wie sich diese Lebenswege und dieser „Ort, der bleibt“ später verbinden.