Ein Buch das nachwirkt

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lesemaus2021 Avatar

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Ein Ort, der bleibt ist bereits das zweite Buch das ich von der Autorin gelesen habe und wiederum bin ich sehr beeindruckt von ihrer hervorragenden Recherche. Von den drei Protagonisten Magda, Mehpare und Imke haben zwei Frauen tatsächlich gelebt und eine Lebensgeschichte ist frei erfunden. Drei unterschiedliche Schicksale, die irgendwie zusammen gehören und eine wirklich interessante Geschichte ergeben.

Im Anhang sind alle historischen Personen aufgelistet und ich habe schon während ich den Roman gelesen habe, die einzelnen Passagen zu den jeweiligen Personen nachgelesen. Einfach aus Interesse, aber auch um mir ein besseren Überblick zu verschaffen.

Dass die Türkei für viele Menschen während des Zweiten Weltkriegs zum Exil wurde und Akademiker damals gezielt von Atatürk angeworben wurden, war mir bisher nicht bewusst. Die Türkei als Exilort finde ich unglaublich spannend. Die mit der Auswanderung verbundenen Probleme, Heimatverlust und das Zurechtfinden in einem fremden Land sind von der Autorin sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Die ganze Geschichte kommt ohne einen Spannungsbogen aus und trotzdem hat mich allein der Gedanke, dass vieles wirklich so passiert ist, unheimlich gefesselt. Den Schreibstil von Sandra Lüpkes würde ich als sehr bildlich, ruhig und angenehm zu lesen bezeichnen.

Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf die sehr ausführlichen botanischen Berichte. Auch wenn der Botanische Garten von Istanbul im Mittelpunkt der Geschichte steht, wurde für meinen Geschmack doch etwas zu viel gepflanzt und geforscht.

Mir hat der Roman gut gefallen und ich finde es einfach toll, dass eine wahre Geschichte auch von weniger bekannten Menschen hier erzählt wird. Es ist ein sehr ruhiges, aber auch sehr berührendes Buch, an das ich bestimmt noch lange denken werde.