Eine Familiengeschichte, die bleibt

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adel69 Avatar

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Worum geht es in dem Buch?

Dr. Alfred Heilbronn und seine Frau Magda sind Naturwissenschaftler. Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kommen, verliert Alfred wegen seiner jüdischen Herkunft seine Anstellung als Professor. In dieser Notlage erhält er das Angebot, in Istanbul eine Professur zu übernehmen – eine Chance, die er sofort ergreift. Alfred reist zuerst, seine Frau Magda und die beiden Kinder folgen später.

In Istanbul entfaltet sich die Faszination eines botanischen Gartens, um den sich Alfred gemeinsam mit seiner türkischen Assistentin Mehpare kümmert. Gleichzeitig etabliert er sich als Professor an der Universität von Istanbul. Magda, ebenfalls promovierte Naturwissenschaftlerin, kann in diesem Berufsfeld nicht arbeiten, sucht sich aber andere Aufgaben, genießt die Spaziergänge durch die Stadt und lernt neue Sprachen.

In einem zweiten Erzählstrang begegnet dem Leser Imke, eine Städteplanerin, die von einem deutschen Unternehmen nach Istanbul geschickt wird. Zusammen mit ihrem Kollegen Kai bewertet sie Gebäude und den botanischen Garten, den Alfred einst geschaffen hat. Die Frage, ob es sinnvoll ist, diese Einrichtungen zu erhalten, zieht sich durch die Gegenwart.

Meine Einschätzung zu diesem Buch:

„Ein Ort, der bleibt“ ist für mich ein überwiegend historischer Roman, der mir so noch nicht begegnet ist. Ich wusste nicht, dass deutsche jüdische Mitbürger zur Zeit der Nazi-Herrschaft eine neue Heimat in der Türkei fanden. Die Autorin beschreibt das Leben der Familie Heilbronn in Istanbul von 1933 bis 1947 sehr plastisch und detailliert. Immer wieder begegnet man auch Alfreds Assistentin Mehpare – Figuren, die tatsächlich gelebt haben.

Der Roman greift mehrere Themen auf: Wie die Türkei deutschen Juden ab 1933 eine Zuflucht bot, welche Hindernisse Frauen hatten, eine dem Ausbildungsgang entsprechende Beschäftigung zu finden, und dass Mehpare schließlich einen Doktortitel erlangt. Dabei wird deutlich, dass sie als Botanikerin von ihren männlichen Kollegen nicht dieselbe Anerkennung erfährt wie diese.

Erzählt wird das Geschehen in Präsens aus der Sicht des auktorialen Erzählers (kein Ich-Erzähler); Imkes Erlebnisse dagegen schildert der Text in Ich-Perspektive im Präsens. Der Stil ist gut, die Ereignisse wirken meist spannend und interessant. Zwischendurch empfand ich die Handlung als etwas eintönig, doch gegen Ende nimmt sie Fahrt auf und wird erneut packend und mitreißend.

Insgesamt vier Sterne von mir.