Eine Heimat in der Fremde finden

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kirstin Avatar

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In Sandra Lüpkes neuem Buch "Ein Ort, der bleibt" verbindet ein alter botanischer Garten in Istanbul das Schicksal von drei Frauen. Magda Heilbronn verlässt 1933 unter dem erstarkenden Nationalsozialismus mit ihrem jüdischen Ehemann und ihren beiden Kindern Münster. Als Genetikprofessor hat ihr Mann eine Einladung an die neu errichtete Universität Istanbul erhalten. Hier findet die Familie eine neue Heimat, umso mehr, als beide sich für den Aufbau eines neuen botanischen Gartens engagieren können. Als Assistentin wählt sich Professor Heilbronn schnell Mehpare aus, die als eine der wenigen Frauen zur damaligen Zeit in der Türkei Akademikerin ist und die bei ihm promoviert. In der heutigen Zeit begibt sich Imke, eine Stadtplanerin, nach Istanbul, die ein Gutachten über den Zustand und den möglichen Erhalt des Gartens anfertigen soll. Sandra Lüpke verwebt gekonnt beide Erzählzeiten und die unterschiedlichen Handlungsstränge miteinander. Sie schreibt flüssig und interessant, man taucht bildhaft in die Farben, Geräusche und Gerüche des damaligen und heutigen Istanbuls ein. Das Buch ist sehr gut recherchiert und erzählt die Lebensgeschichte der Familie Heilbronn sowie von Mehpare realistisch. Es ist daher ein spannendes Stück deutsche Geschichte, denn das Exil von oft jüdischen Akademikern, die während des Krieges nach Istanbul flüchteten, ist nicht sehr bekannt. Der Schwerpunkt des Romans liegt auf der Vergangenheit, mir hätte eine gleichmäßigere Gewichtung noch besser gefallen, denn die Geschichte, wie Imke sich von ihrer Mutter emanzipiert, ist ebenso spannend.