Emotionale Einblicke in botanische Deutsch-Türkische Geschichten

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Allein das Cover und die Kurzbeschreibungen haben mich anfangs sehr gereizt das Buch zu lesen. Viel Grün, eine neugierige Frau vor dem Gewächshaus und die Verheißung auf emotionsgeladene Schicksale verwoben zwischen Deutschland und Istanbul. Sandra Lüpkes hat mich nicht enttäuscht und sogar vieles aus einer mir bis dahin unbekannten Deutsch-Türkische Epoche der wirksamen und guten Zusammenarbeit erzählt. Anhand dreier Frauen eröffnet die Autorin das Tor zu einer von Pflanzen dominierten und vielschichtigen Liebes-, Leidens und Familiengeschichte.

Zu Beginn folgen wir Magda und ihrem Mann Alfred Heilbronn notgedrungen von Münster nach Istanbul. Der jüdische Stammbaum zwingt die Familie zur Flucht vor den Nazis. Glücklicherweise konnten durch Kooperation mit der Universität Istanbul viele verfolgte Wissenschaftler und Professoren damals ihrer Arbeit weiter nachgehen und in der Türkei Studenten ausbilden. Die Biologen erschaffen durch Mut und die Unterstützung der vorwitzigen Mehpare einen wundervollen Ort der Zuversicht und Forschung.

Mehpares Schicksal ist im zweiten Erzählstrang dargestellt und hat mir persönlich am besten gefallen. Eine junge Frau, die sich über alte Rollenbilder erhebt und ihrer eigenen Fantasie keine Grenzen setzt.
Der dritte Part gehört Imke und spielt im Gegensatz zu Magdas und Mehpares Geschichte in der Gegenwart. Leider fehlte mir hier an vielen Stellen der direkte Zusammenhang. Natürlich spielt die Geschichte stets am gleichen Ort, aber ob Imke die Geschehnisse von damals gleichermaßen kennenlernt, wie die Leser, erfährt man eigentlich nur ganz am Ende. Hier fehlte mir die logische Verbindung.

Dieses Buch trägt definitiv zu einem tieferen Verständnis der neueren türkischen Geschichte bei und unterhält gleichsam mit emotionalen Höhen und Tiefen in den familiären Herausforderungen der damaligen Zeit. Besonders gut haben mir die Schilderungen des botanischen Gartens und der Universität gefallen. Man konnte sich sehr gut hineinfühlen in die Szenen.

Man merkt durch und durch, dass dies ein hervorragend recherchiertes Werk ist. Sandra Lüpkes hat mit viel Fingerspitzengefühl der Familiengeschichte nachgespürt und diese mit einer guten Portion historischem Wissen zu einem nachklingenden Gesamtwerk vereint.