Heimat finden

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bookworld91 Avatar

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Ein Garten in der Stadt als Rückzugsort. Pflanzen aus aller Welt. Mit diesen Plan reist Alfred mit seiner Familie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Istanbul. Die Geschichte wird in „Ein Ort, der bleibt“ erzählt.

Alfred Heilbronn ist ein realer jüdischer Botaniker. In den 1930ern sucht er mit seiner Familie in der Türkei eine neue Heimat. Seine Aufgabe: den botanischen Garten an der Istanbuler Universität möglichst vielseitig zu gestalten. Ihm wird Mehpare, eine junge Türkin, zur Seite gestellt.

In den 2020ern reist Imke, eine Stadtplanerin, nach Istanbul, um eine Prognose bezüglich der Nutzung des Gartens zu erstellen. Dabei passiert mehr, als ihr lieb ist…

Ich finde die verknüpfte Thematik Botanik und Fremde/ Flucht (vor anderen oder sich selbst) spannend. In diesem Roman wird sie gekonnt umgesetzt: die Samen aus Deutschland kommen in die Fremde, genauso wie Alfred und Magda eine neue Heimat suchen. Erst später sieht man die prächtigen Resultate angepasster Pflanzen- genau wie mit angepassten Zuwanderern, die sich an das Leben in der Fremde gewöhnen müssen.

Aber nicht nur die Thematik stimmt für mich: ich finde alle Charaktere, besonders die drei Frauen, interessant. Jede trägt ihr Päckchen und die Autorin versteht es, auf die jeweiligen Herausforderungen und Stolpersteine gezielt einzugehen. So ist es kein spannungsgeladener Kriminalroman, sondern eine ruhige Familiensaga. Mit Vergleichen und detaillierten Beschreibungen, aber auch realen Leihwörtern (Heymatlos) gelingt es, die Atmosphäre des botanischen Gartens zu vermitteln.

Was mir zwischenzeitlich allerdings fehlt ist der Bezug zwischen den Garten und den Schicksalen der Charaktere. Diese sind eng verbunden, werden aber nicht immer verdeutlicht werden. Zudem hätte ich gerne mehr über Alfreds und Mehpares jeweiliges späteres Leben erfahren. Ihre Geschichte scheint nicht zu Ende erzählt und unvollständig, was ich sehr schade finde. Daher gebe ich den gelungen Roman vier Sterne.