Neue Wege
Bisher haben mir alle Bücher aus der Feder von Sandra Lüpkes gefallen, doch bei diesem war ich vorab skeptisch, da mir das Thema und der Ort eigentlich nicht so zusagten. Botanischer Garten in Istanbul? Hm...
Gut, dass meine Bücherei dieses Buch vorrätig hatte, denn mir wäre ein wirklich toller Roman entgangen.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen und aus der Sicht verschiedener Personen. Vorrangig erzählen Mehpare, die uns 1926 als Schülerin des ersten Istanbuler Mädchengymnasiums begegnet, Magda, die Frau des Professor Heilbronn und selbst promoviert, sowie Imke, eine Stadtplanerin aus der Jetzt-Zeit, die die Aufgabe hat, als Assistentin das Gelände und Gebäude des verfallenen Istanbuler Botanischen Instituts zu begutachten, ob es als Baudenkmal anzuerkennen ist.
1933, als Familie Heilbronn in Münster lebt, beginnen die Anfeindungen jüdischer Personen. Und auch, wenn Professor Heilbronn dem Judentum mit seiner Heirat vor zwanzig Jahren von Magda abgeschworen hat, ist er bei den Nazis minderwertig, so dass ihm sogar der Zugang zu seiner Universität verboten wird. Nach langem Drängen nimmt er schließlich die Einladung der "Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland" an, die europäische Professoren in die Türkei berufen, um dort ein modernes Land mit aufzubauen. Zusammen mit ihren fast erwachsenen Kindern Agnes und Hans siedeln sie über.
Mehpare dagegen ist geworden, was sie wollte, eine Frau mit vollem Kopf. Sie studiert an der Universität Botanik und wird tatsächlich als Dr. Heilbronns Assistentin eingestellt. Das muss wirklich ein ungewöhnlicher Mann gewesen sein, ich fand die Schilderungen seiner Art sehr interessant. Wie er den Menschen um ihn herum Raum lässt zu wachsen und selbst in den Hintergrund tritt, der Sache wegen.
Mehpare wird zur guten Freundin der ganzen Familie, sie hilft mit dem Übersetzen, sie ist auch für Magda eine lieb gewonnene Ansprechpartnerin, die ihr die Sprache beibringt. Erst, als Mehpare die Leitung einer Exkursion übertragen wird, kommt sie an ihre Grenzen. Sie ist ehrgeizig und verlangt auch von ihrem Team viel. Doch immer, wenn sie Adnan Mete begegnet, ist sie wie umgewandelt. Er bringt ihr Herz zum klopfen, doch sie darf sich und ihm das nicht eingestehen.
Die Jahre gegen vorüber und inzwischen sind Magda und ihre Familie "Haymatloz", d.h. ausgebürgert. Die Nachrichten aus Deutschland sind schlimm und viele versuchen, Freunde und Familie in die Türkei nachzuholen. Zudem geht es Magda gar nicht gut. Immer wieder wird ihr schwindelig und sie ist schlapp, versucht aber, ihren Zustand zu verbergen. Und dann muss sie noch hören, wie ein vertrauter Mitarbeiter anscheinend als Nazi-Spitzel ein doppeltes Spiel spielt. Harte Zeiten...
Mich hat dieser Roman dermaßen gefesselt, dass ich ihn kaum zur Seite legen konnte. Die Schilderungen der Geschehnisse haben mich mit fiebern lassen, wie es der Familie Heilbronn in der Türkei wohl ergeht, ob sie sich einleben würden. Mehpares Entwicklung war ebenfalls spannend zu verfolgen, wie aus dem jungen Mädchen eine Wissenschaftlerin wird, die sich durchzusetzen vermag.
Die Gegenwartsgeschichte war etwas schwächer, doch auch Imke lässt ihr altes Leben hinter sich und wagt sich über selbst gesetzte Grenzen.
Zudem war mir die Tatsache völlig unbekannt, dass es eine deutsche Gemeinschaft in Istanbul gab, die von Atatürk eingeladen wurden, um der Türkei auf den Weg zu einem modernen Staat zu helfen. Spannend!
Ein fesselnder Roman über eine herausfordernde Zeit und neue Wege.
Gut, dass meine Bücherei dieses Buch vorrätig hatte, denn mir wäre ein wirklich toller Roman entgangen.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen und aus der Sicht verschiedener Personen. Vorrangig erzählen Mehpare, die uns 1926 als Schülerin des ersten Istanbuler Mädchengymnasiums begegnet, Magda, die Frau des Professor Heilbronn und selbst promoviert, sowie Imke, eine Stadtplanerin aus der Jetzt-Zeit, die die Aufgabe hat, als Assistentin das Gelände und Gebäude des verfallenen Istanbuler Botanischen Instituts zu begutachten, ob es als Baudenkmal anzuerkennen ist.
1933, als Familie Heilbronn in Münster lebt, beginnen die Anfeindungen jüdischer Personen. Und auch, wenn Professor Heilbronn dem Judentum mit seiner Heirat vor zwanzig Jahren von Magda abgeschworen hat, ist er bei den Nazis minderwertig, so dass ihm sogar der Zugang zu seiner Universität verboten wird. Nach langem Drängen nimmt er schließlich die Einladung der "Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland" an, die europäische Professoren in die Türkei berufen, um dort ein modernes Land mit aufzubauen. Zusammen mit ihren fast erwachsenen Kindern Agnes und Hans siedeln sie über.
Mehpare dagegen ist geworden, was sie wollte, eine Frau mit vollem Kopf. Sie studiert an der Universität Botanik und wird tatsächlich als Dr. Heilbronns Assistentin eingestellt. Das muss wirklich ein ungewöhnlicher Mann gewesen sein, ich fand die Schilderungen seiner Art sehr interessant. Wie er den Menschen um ihn herum Raum lässt zu wachsen und selbst in den Hintergrund tritt, der Sache wegen.
Mehpare wird zur guten Freundin der ganzen Familie, sie hilft mit dem Übersetzen, sie ist auch für Magda eine lieb gewonnene Ansprechpartnerin, die ihr die Sprache beibringt. Erst, als Mehpare die Leitung einer Exkursion übertragen wird, kommt sie an ihre Grenzen. Sie ist ehrgeizig und verlangt auch von ihrem Team viel. Doch immer, wenn sie Adnan Mete begegnet, ist sie wie umgewandelt. Er bringt ihr Herz zum klopfen, doch sie darf sich und ihm das nicht eingestehen.
Die Jahre gegen vorüber und inzwischen sind Magda und ihre Familie "Haymatloz", d.h. ausgebürgert. Die Nachrichten aus Deutschland sind schlimm und viele versuchen, Freunde und Familie in die Türkei nachzuholen. Zudem geht es Magda gar nicht gut. Immer wieder wird ihr schwindelig und sie ist schlapp, versucht aber, ihren Zustand zu verbergen. Und dann muss sie noch hören, wie ein vertrauter Mitarbeiter anscheinend als Nazi-Spitzel ein doppeltes Spiel spielt. Harte Zeiten...
Mich hat dieser Roman dermaßen gefesselt, dass ich ihn kaum zur Seite legen konnte. Die Schilderungen der Geschehnisse haben mich mit fiebern lassen, wie es der Familie Heilbronn in der Türkei wohl ergeht, ob sie sich einleben würden. Mehpares Entwicklung war ebenfalls spannend zu verfolgen, wie aus dem jungen Mädchen eine Wissenschaftlerin wird, die sich durchzusetzen vermag.
Die Gegenwartsgeschichte war etwas schwächer, doch auch Imke lässt ihr altes Leben hinter sich und wagt sich über selbst gesetzte Grenzen.
Zudem war mir die Tatsache völlig unbekannt, dass es eine deutsche Gemeinschaft in Istanbul gab, die von Atatürk eingeladen wurden, um der Türkei auf den Weg zu einem modernen Staat zu helfen. Spannend!
Ein fesselnder Roman über eine herausfordernde Zeit und neue Wege.