Wurzeln schlagen
Auswanderungsgeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus sind mittlerweile gewiss kein Neuland mehr. Nicht selten geraten zeitgenössische Autoren in die Schwierigkeit, einem derart intensiv behandelten Themenfeld noch wirklich neue Facetten abzugewinnen, weshalb auch Sandra Lüpkes Roman »Ein Ort, der bleibt« zunächst mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden kann. Allerdings stellt der Versuch, diese historische Thematik mit botanischen Motiven zu verknüpfen, durchaus einen reizvollen Ansatz dar, der selbst kritische Leser zumindest neugierig machen könnte.
Der Roman ist dabei ambitioniert angelegt, nicht nur hinsichtlich seines Umfangs. Ebenso zeigt sich dieser Anspruch in der Vielzahl der Figuren sowie in den unterschiedlichen Erzählebenen, zwischen denen die Autorin mit auffälliger Frequenz wechselt, indem sie gleich drei Perspektiven miteinander verknüpft und darüber hinaus einen zeitlichen Bogen spannt, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt.
Im Zentrum der Handlung steht jedoch vor allem die Geschichte von Magda und Alfred. Das Ehepaar aus Münster wird aufgrund seiner jüdischen Herkunft zur Emigration gezwungen und versucht schließlich in Istanbul, sich eine neue Existenz aufzubauen, wobei Alfred als angesehener Botaniker in die Reformbestrebungen Atatürks passt, der die türkischen Universitäten durch den Einfluss ausländischer Wissenschaftler modernisieren möchte.
Als übergreifende Metapher dient dabei die Idee des Wurzelnschlagens. Diese ist nicht nur auf die Pflanzenwelt bezogen, sondern spiegelt zugleich das Schicksal der beiden Protagonisten wider, die in der Fremde gezwungen sind, sich ein neues Zuhause zu schaffen. Die Autorin greift diesen Ansatz zwar punktuell auf, vertieft ihn jedoch nur in Ansätzen, etwa wenn Alfreds mangelnde Türkischkenntnisse zu praktischen Schwierigkeiten führen oder die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem türkischen Universitätssystem sichtbar werden, ohne dass diese Aspekte erzählerisch wirklich ausgeschöpft würden, da sie oftmals lediglich angedeutet bleiben und kaum nachhaltige Wirkung entfalten.
Statt einer intensiven Auseinandersetzung mit Figuren und Details dominiert vielmehr eine distanzierte, beinahe nüchtern wirkende Darstellung des Lebenswegs der Auswanderer. Diese erweckt den Eindruck, als handele es sich weniger um einen lebendigen Roman als vielmehr um eine mosaikartige Aneinanderreihung recherchierter Fakten, wobei der Text stellenweise den Charakter einer sachlichen Reportage annimmt und es der Autorin nicht gelingt, ihren Figuren die notwendige emotionale Tiefe zu verleihen. Insgesamt erscheint die Erzählung erstaunlich leblos.
Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass die später einsetzende Handlung um Imke nur lose mit der Hauptgeschichte verknüpft wirkt. Trotz erkennbarer Bemühungen liefert sie kaum neue Impulse, sondern erscheint vielmehr wie ein beliebiger Zeitsprung, der in vergleichbaren Werken bereits allzu häufig eingesetzt wurde, um tatsächlich noch Spannung oder Interesse zu erzeugen.
In der Gesamtheit erweist sich somit die Grundidee, entwurzelte Menschen mit Pflanzen und deren Fähigkeit zum Anwachsen in Beziehung zu setzen, als nicht tragfähig genug, um einen nahezu fünfhundert Seiten umfassenden Roman zu stützen. Dieser erhebt zwar den Anspruch eines groß angelegten zeitgeschichtlichen Epos, bleibt jedoch letztlich in seiner Wirkung hinter diesen Ambitionen zurück und kann allenfalls als mittelmäßig bezeichnet werden.
Der Roman ist dabei ambitioniert angelegt, nicht nur hinsichtlich seines Umfangs. Ebenso zeigt sich dieser Anspruch in der Vielzahl der Figuren sowie in den unterschiedlichen Erzählebenen, zwischen denen die Autorin mit auffälliger Frequenz wechselt, indem sie gleich drei Perspektiven miteinander verknüpft und darüber hinaus einen zeitlichen Bogen spannt, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt.
Im Zentrum der Handlung steht jedoch vor allem die Geschichte von Magda und Alfred. Das Ehepaar aus Münster wird aufgrund seiner jüdischen Herkunft zur Emigration gezwungen und versucht schließlich in Istanbul, sich eine neue Existenz aufzubauen, wobei Alfred als angesehener Botaniker in die Reformbestrebungen Atatürks passt, der die türkischen Universitäten durch den Einfluss ausländischer Wissenschaftler modernisieren möchte.
Als übergreifende Metapher dient dabei die Idee des Wurzelnschlagens. Diese ist nicht nur auf die Pflanzenwelt bezogen, sondern spiegelt zugleich das Schicksal der beiden Protagonisten wider, die in der Fremde gezwungen sind, sich ein neues Zuhause zu schaffen. Die Autorin greift diesen Ansatz zwar punktuell auf, vertieft ihn jedoch nur in Ansätzen, etwa wenn Alfreds mangelnde Türkischkenntnisse zu praktischen Schwierigkeiten führen oder die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem türkischen Universitätssystem sichtbar werden, ohne dass diese Aspekte erzählerisch wirklich ausgeschöpft würden, da sie oftmals lediglich angedeutet bleiben und kaum nachhaltige Wirkung entfalten.
Statt einer intensiven Auseinandersetzung mit Figuren und Details dominiert vielmehr eine distanzierte, beinahe nüchtern wirkende Darstellung des Lebenswegs der Auswanderer. Diese erweckt den Eindruck, als handele es sich weniger um einen lebendigen Roman als vielmehr um eine mosaikartige Aneinanderreihung recherchierter Fakten, wobei der Text stellenweise den Charakter einer sachlichen Reportage annimmt und es der Autorin nicht gelingt, ihren Figuren die notwendige emotionale Tiefe zu verleihen. Insgesamt erscheint die Erzählung erstaunlich leblos.
Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass die später einsetzende Handlung um Imke nur lose mit der Hauptgeschichte verknüpft wirkt. Trotz erkennbarer Bemühungen liefert sie kaum neue Impulse, sondern erscheint vielmehr wie ein beliebiger Zeitsprung, der in vergleichbaren Werken bereits allzu häufig eingesetzt wurde, um tatsächlich noch Spannung oder Interesse zu erzeugen.
In der Gesamtheit erweist sich somit die Grundidee, entwurzelte Menschen mit Pflanzen und deren Fähigkeit zum Anwachsen in Beziehung zu setzen, als nicht tragfähig genug, um einen nahezu fünfhundert Seiten umfassenden Roman zu stützen. Dieser erhebt zwar den Anspruch eines groß angelegten zeitgeschichtlichen Epos, bleibt jedoch letztlich in seiner Wirkung hinter diesen Ambitionen zurück und kann allenfalls als mittelmäßig bezeichnet werden.