Überzeugende Kombination verschiedener Genres

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corbinian Avatar

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Ich mag Literatur bei der ich die Örtlichkeit in der die Handlung spielt kenne oder zumindest ein gutes Verständnis für die Umgebung habe. Das erleichtert das Kopfkino deutlich, denn ich habe dann konkrete Bilder vor Augen und ein noch größeres Leseerlebnis als ich es sowieso immer habe. Passt dann auch noch das Genre, dann kann man mich von dem Buch kaum noch losreißen.

Das war beim Buch Ein Pakt aus Asche und Blut von der Ratingerin Sabine Riedel der Fall. Das Buch spielt in Ratingen, also quasi um die Ecke von mir, und ist dazu noch ein historischer Mystery-Thriller. Drei Genres, die ich gerne lese und die nicht allzu häufig kombiniert in einem Buch zu finden sind. Ich musste also zugreifen, als das Buch beim FeuerTanz-Verlag Anfang Dezember 2025 erschienen ist.

Zwei Dinge fallen beim Buch zuerst auf, das Cover und die Seitenzahl. Das Cover ist eine Augenweide und macht wirklich Lust auf das Buch. Die Seitenzahl von 552Seiten, die durch die Dicke des Buches deutlich wird, verspricht eine lange Lesezeit. Deshalb nicht lange warten, sondern direkt rein ins Buch.

Im Buch begleiten wir in zwei Zeitebenen insgesamt fünf Personen. In der heutigen Zeit sind das der Feuerwehrmann Mark und die Fotografin Cat in Ratingen und Melanie, mit Depressionen und Halluzinationen in der Lübecker Bucht. Im Jahr 1460 begleiten wir die Schwestern Helene und Anna, die als Hexen verschrien abseits von Ratingen im Wald hausen. Während in der Moderne der Fokus auf Mark und seine Erlebnisse bei einem Einsatz gelegt wird und Cat da nur mehr oder weniger zufällig hineingezogen wird, ist Melanie eigentlich ganz weit weg, und das nicht nur wegen der räumlichen Distanz. Melanie löst gerade den Haushalt ihrer Mutter und Großmutter auf und wird dabei von Visionen geplagt und muss sich gleichzeitig mit ihrer Wahl der Liebesbeziehung und damit verbundenen Komplikationen auseinandersetzen. Der Zusammenhang ist dabei nicht sofort ersichtlich.
Deutlicher ist der Zusammenhang da beim Betrachten der beiden Ratinger Geschichte. Die Schwestern Anna und Helene aus dem Jahr 1460, liefern die Vorgeschichte der Ereignisse der Gegenwart. Helene geht in ihrer Geschichte einen Pakt mit Johann, dem Herrn der Wasserburg Haus zum Haus und Marschall des Herzogs von Berg ein und liefert ihm magische Utensilien aller Art, um damit ihr eigenes Leben und das ihrer Schwester zu schützen. Ein Pakt mit dem Teufel, wie sich bald herausstellt.
Je weiter beide Geschichten fortschreiten, desto mehr zeigt sich die Verbindung zwischen den Epochen und den Prota- und Antagonisten. Inhaltlich ganz klar überzeugend und unterhaltsam.

Zum Buch gehör neben dem Inhalt immer auch noch die handwerklichen Dinge und da sticht die Optik, die ja schon auf dem Cover gelobt wurde, heraus. Das Schriftbild und das Layout mit den Initialen und den Hinweisen auf Ort und Zeit am Kapitelanfang, sowie der Hintergrund passen perfekt und sorgen für ein erhöhtes Lesevergnügen. Dazu kommen dann noch die Spannungskurve, die runde Entwicklung der Prota- und Antagonisten und die überraschenden Wendungen. Manchmal sind Beschreibungen etwas überladen, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich habe und das ist dann irgendwie Meckern auf hohem Niveau. Es ist deshalb fast Schade, dass das Buch in sich abgeschlossen ist und kein zweiter Band kommen kann, denn ich hätte gerne weitergelesen.

Fazit: Sabine Riedels Ein Pakt aus Asche und Blutist ein gelungener Mystery-Thriller, der gekonnt einen historischen Erzählstrang neben einem aktuellen Erzählstrang verbindet und langsam zeigt, was diese beiden Erzählstränge verbindet. Das geschieht mit tollen Prota- und Antagonisten, überraschenden Wendungen und jeder Menge Spannung. Auch optisch kann das Buch mit Cover und Layout überzeugen und auch wenn man bei 552 Seiten länger liest, würde man am Ende durchaus gerne weiterlesen.