Melancholisch

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therealmike Avatar

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Diese Leseprobe hat mich mit ihrer feinen, fast unerbittlichen Beobachtungsgabe sofort gefesselt. Die Autorin seziert die kleinen, oft unausgesprochenen Risse einer langjährigen Beziehung mit einer Präzision, die manchmal fast wehtut. Elviras Blick auf das junge Paar am Nebentisch, diese Mischung aus Sehnsucht, Neid und stiller Trauer über das, was ihrer eigenen Ehe abhandengekommen ist, hat mich sehr berührt, weil sie so ehrlich und unbeschönigt eingefangen wird.
Der Wechsel zu Sigrid und ihrem Verhältnis zum Haus, zu ihren erwachsenen Kindern und zum eigenen Älterwerden, öffnet die Geschichte noch einmal auf beeindruckende Weise. Wie hier über das Loslassen, über Verlust und über die leise Wehmut des Alterns geschrieben wird, ohne je ins Kitschige abzugleiten, zeugt von großem Gespür für die kleinen Wahrheiten des Lebens. Besonders die Beobachtung über Tränensäcke, über die Frage, ob es die ungeweinten Tränen sind, die uns zeichnen, ist mir noch lange nachgegangen.
Zwei Frauenfiguren, zwei Lebensphasen, und doch verbindet beide dieselbe leise Melancholie über verstrichene Zeit und unerfüllte Nähe. Ich wollte sofort mehr über Elvira, Jobst und Sigrid erfahren und bin sehr gespannt, wie sich ihre Geschichten im weiteren Verlauf des Buches verweben.