Zwischen den Zeilen einer Familie, die schweigt, um zu überleben
Ein Samstag im August – Rezension zur Leseprobe
Bachmann öffnet mit einem Prolog, der schon den Ton für alles Folgende setzt: Familie als Flickendecke, die wärmt und würgt zugleich. Diese Doppeldeutigkeit trägt die ganze Leseprobe.
Besonders überzeugt mich der Kunstgriff, gleich zwei Frauenfiguren aus zwei Generationen parallel zu führen. Elvira, die im stickigen Auto neben ihrem Mann sitzt und merkt, wie ihre Erinnerungen Lücken haben, während seine lückenlos sind – das ist ein feiner, fast bedrohlicher Kontrast. Die Szene am Rasthof, wo sie das junge verliebte Paar beobachtet und deren Andacht beneidet, zeigt sehr genau, wie Nähe zur Fremdheit werden kann, ohne dass ein einziges lautes Wort fällt.
Noch stärker berührt mich Sigrid: die Fotostudio-Erinnerung, in der sie im übergroßen Schaufensterbild plötzlich eine Härte in ihrer eigenen Tochter erkennt, die sie bis dahin übersehen hatte. Und die stille Fehde mit dem „Wikinger" nebenan, die weit mehr über Sigrids eigene Verlustängste erzählt als über den Nachbarn selbst.
Der Stil ist es, der mich am meisten reizt: lange, verschlungene Sätze, die trotzdem nie ausufern, präzise Bilder statt großer Gefühlsbehauptungen. Man spürt in jeder Zeile, was ungesagt bleibt.
Ich will unbedingt wissen, was diesen Samstag noch bringt – und was diese Frauen einander eigentlich zu sagen hätten, wenn sie es könnten.
Bachmann öffnet mit einem Prolog, der schon den Ton für alles Folgende setzt: Familie als Flickendecke, die wärmt und würgt zugleich. Diese Doppeldeutigkeit trägt die ganze Leseprobe.
Besonders überzeugt mich der Kunstgriff, gleich zwei Frauenfiguren aus zwei Generationen parallel zu führen. Elvira, die im stickigen Auto neben ihrem Mann sitzt und merkt, wie ihre Erinnerungen Lücken haben, während seine lückenlos sind – das ist ein feiner, fast bedrohlicher Kontrast. Die Szene am Rasthof, wo sie das junge verliebte Paar beobachtet und deren Andacht beneidet, zeigt sehr genau, wie Nähe zur Fremdheit werden kann, ohne dass ein einziges lautes Wort fällt.
Noch stärker berührt mich Sigrid: die Fotostudio-Erinnerung, in der sie im übergroßen Schaufensterbild plötzlich eine Härte in ihrer eigenen Tochter erkennt, die sie bis dahin übersehen hatte. Und die stille Fehde mit dem „Wikinger" nebenan, die weit mehr über Sigrids eigene Verlustängste erzählt als über den Nachbarn selbst.
Der Stil ist es, der mich am meisten reizt: lange, verschlungene Sätze, die trotzdem nie ausufern, präzise Bilder statt großer Gefühlsbehauptungen. Man spürt in jeder Zeile, was ungesagt bleibt.
Ich will unbedingt wissen, was diesen Samstag noch bringt – und was diese Frauen einander eigentlich zu sagen hätten, wenn sie es könnten.