Wissenschaft mit Herzschlag: Wenn das Gehirn auf der Straße spazieren geht

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Was für ein herrlich erfrischender Ansatz für ein Sachbuch! Eveline Crone schafft hier etwas, woran viele Fachbücher kläglich scheitern: Sie holt die hochkomplexe Hirnforschung aus dem sterilen Labor direkt auf den regennassen Bürgersteig und verbindet die blanke Biologie mit echtem Leben. Dass sie den 24-Stunden-Tag mit einer bunten Nachbarschaft in der Bolstraat verwebt – vom sportelnden Nachbarn kurz vor dem Fünfzigsten über die müde Mutter beim morgendlichen Stillen bis hin zu den Teens –, gibt dem ganzen Text sofort eine wunderbar vertraute Wärme.

Besonders gut gefällt mir die Balance bei der Wissensvermittlung: Die Autorin scheut sich nicht davor, handfeste Begriffe wie Motorcortex, Neuroblasten oder das Hebbsche Gesetz anzupacken, erklärt sie aber mit so bildhaften, einleuchtenden Vergleichen, dass man sofort ein klares Bild vor Augen hat. Da wird die weiße Substanz zur flitzenden Wasserrutsche im Freizeitbad und der Homunculus zum kleinen Männchen auf der inneren Steuerungs-Landkarte. Auch die kleinen Seitenhiebe auf die Evolutionsbiologie – warum wir abends eben lieber auf dem Sofa versacken, statt zur Spinningstunde zu radeln – nehmen einem herrlich pragmatisch das schlechte Gewissen.

Einen kleinen Stern ziehe ich mir persönlich nur ab, weil es ab dem zweiten Kapitel mit den Entwicklungswochen und Zellschichten stellenweise doch recht rasant ins neurobiologische Detail geht. Da muss man den Kaffee schon ganz austrinken, um bei all den Axonen und Furchen nicht kurz ins Stolpern zu geraten. Aber unterm Strich ist dieser Vorgeschmack eine wunderbar zugängliche, kluge Einladung, dem eigenen Denkapparat mit staunendem Respekt zu begegnen!