Die schönsten Gemeinheiten entstehen aus Unsicherheit

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kirakolumna Avatar

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Schon der Prolog macht klar, worauf man sich hier einlässt: eine Erzählerin mit scharfem Blick, schwarzem Humor und einem Gerechtigkeitssinn, der ein wenig über das Ziel hinausschießt. Dass die zehnjährige Lillian beinahe ein Mädchen ins Gorillagehege schubst, ist gleichermaßen absurd, verstörend und komisch und genau diese Mischung trägt die gesamte Leseprobe. Kirsten King schreibt bissig, sehr beobachtungsstark und mit einem Tempo, das enormen Spaß macht.

Besonders gelungen ist dabei, wie sympathisch die Protagonistin trotz all ihrer Abgründe wirkt. Lillian denkt fies über andere Menschen, analysiert jede soziale Situation gnadenlos und bewegt sich irgendwo zwischen Selbstüberschätzung und tiefer Unsicherheit. Gleichzeitig steckt in ihr aber auch etwas Trauriges und Einsames. Schon als Kind fantasiert sie davon, krank zu sein, um Aufmerksamkeit zu bekommen und als Erwachsene hat sich dieses Gefühl offenbar nie ganz verloren. Gerade diese Mischung aus Härte, Verletzlichkeit und Selbstinszenierung macht sie als Figur unglaublich interessant.

Auch sprachlich funktioniert das hervorragend. Die vielen zeitgenössischen Referenzen wirken nie zu bemüht, sondern passen zu dieser zynischen, chronisch überanalysierenden Erzählerstimme. Immer wieder gibt es Sätze, die gleichzeitig gemein und wahnsinnig komisch sind. Die Leseprobe liest sich dadurch fast atemlos schnell.

Besonders spannend fand ich außerdem, wie souverän und draufgängerisch Lillian nach außen wirkt, während darunter eine enorme emotionale Abhängigkeit sichtbar wird. Ihre „Situationship“ mit Henry hat von Anfang an etwas Ungesundes, weil man sofort merkt, wie sehr sie ihr eigenes Selbstwertgefühl an seine Aufmerksamkeit knüpft. Dass sie das selbst teilweise durchschaut, macht es eher noch unangenehmer und interessanter. Genau daraus scheint der Roman seine Spannung zu ziehen.