Unheimlich gute Leseprobe

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Der Einstieg in Kirsten Kings Roman ist ebenso bissig wie faszinierend. Die Protagonistin Lillian führt uns mit einem Prolog ein, der sofort klarmacht, dass wir es hier nicht mit einer klassischen „netten“ Heldin zu tun haben: Mit zehn Jahren hätte sie fast ein Mädchen ins Gorillagehege geschubst, ein Impuls, der ihre Außenseiterrolle und ihren dunklen Humor begründet. Diese düstere Grundierung zieht sich bis in ihr Erwachsenenleben mit neunundzwanzig Jahren.
Die Sprache des Romans ist modern, direkt und von einem herrlich trockenen Zynismus geprägt. Die Übersetzerin Lilian Peter fängt den Millennial-Vibe hervorragend ein, von Slack-GIFs über „Wellness-Hexen“ bis hin zu „Welpenyoga“. Lillian ist eine scharfzüngige Beobachterin, die ihre Umwelt, insbesondere ihre „perfekten“ Marketing-Kolleginnen und ihre dramatische Mutter, gnadenlos seziert. Besonders stark sind die Passagen, in denen Lillians innere Unsicherheit durch ihre betont coole, sexuell befreite Performance bricht.
Das Cover ist mit seiner klaren Typografie und dem modernen Design des Ecco-Verlags ansprechend gestaltet, wobei der Kontrast zwischen dem Titel „Ein unheimlich guter Mensch“ und der ironischen Erzählweise der Leseprobe besonders gut harmoniert.