Ein Debüt, das süchtig macht

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knightlyart Avatar

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Mit „Ein unheimlich guter Mensch“ legt Kirsten King einen Debütroman vor, der ein erstaunliches Suchtpotenzial entwickelt. Obwohl, oder vielleicht gerade weil, die Protagonistin Lillian alles andere als eine klassische Sympathieträgerin ist, zieht die Geschichte von der ersten Seite an in ihren Bann.

Lillian ist stark alkoholsüchtig, manipulativ und weist immer wieder narzisstische Züge auf. Ihre toxische Persönlichkeit macht sie zu einer Figur, die man nicht unbedingt mögen muss, die man aber mit großem Interesse begleitet. King gelingt das Kunststück, eine Hauptfigur zu erschaffen, die gleichermaßen abstößt und fasziniert. Gerade diese Widersprüchlichkeit verleiht dem Roman seine besondere Spannung.

Dabei überzeugt die Autorin nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch ihren pointierten, oft schwarzen Humor. Immer wieder finden sich Sätze, die die innere Zerrissenheit der Protagonistin treffend auf den Punkt bringen. So heißt es auf Seite 237:

„Ich nahm einen weiteren großen Schluck aus meinem Glas und wartete darauf, dass der Mut in mir hochkam wie Sodbrennen.“

Dieser Vergleich beschreibt Lillians Abhängigkeit ebenso treffend wie ihre verzweifelte Suche nach Halt.

Besonders gelungen sind die Momente, in denen hinter der harten, egozentrischen Fassade etwas Menschliches aufblitzt. Mein persönliches Lieblingszitat findet sich auf Seite 292:

„Tief in mir drin wusste ich, dass ich keine Mörderin war. Vielleicht setzte ich Spinnen nicht nach draußen, wenn ich welche sah, sondern zertrat sie, aber ich war nicht imstande, irgendeinem Lebewesen etwas anzutun, das größer war als ein Käfer.“

In wenigen Zeilen vereint dieser Satz Humor, Selbstironie und die komplexe Moral der Figur. Er zeigt eindrucksvoll, warum Lillian trotz all ihrer Fehler eine so interessante Romanheldin ist.

Kirsten King beweist mit ihrem Debüt ein gutes Gespür für ambivalente Charaktere und eine packende Erzählweise. „Ein unheimlich guter Mensch“ ist kein Wohlfühlroman, sondern die Geschichte einer zutiefst fehlerhaften Frau, die man oft schütteln möchte und deren Weg man dennoch unbedingt weiterverfolgen will. Ein bemerkenswertes Debüt mit Suchtfaktor.