Eine nervige, langweilige Protagonistin

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missmarie Avatar

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"Frauen waren furchterregende, rachsüchtige Kreaturen. Wir stalkten einander im Internet und waren unerbittliche Konkurrentinnen. Wir würden dem Körper einer anderen Frau sein schlagendes Herz herausschneiden, wenn es unser eigenes Herz stärker machte."

Diese wenig schmeichelhafte Selbstbeobachtungen stammt von Lillian, 29 Jahre alt, und Protagonist in Kirsten Kings Roman "Ein unheimlich guter Mensch". Wohlwollend kann man ihren Lebensstil als unstet bezeichnen. Lillian sucht das sexuelle Abenteuer, stets mit dem Ziel, die perfekte Partnerin im Bett zu sein. Und während sie sich zumindest theoretisch mit Feminismus gut auskennt, wirft sie sämtliche Überzeugungen über Bord, wenn es darum geht, einen Mann (oder eine Frau) zu beeindrucken. Allerdings lässt das Henry, ihre aktuelle Affäre, ziemlich kalt. Er macht mit ihr Schluss. Lillian ist so wütend, dass sie ihn mit einem Schutzzauber aus dem Internet belegt. Am nächsten Morgen wird Henry tot vor einer Kneipe aufgefunden.

Der Klappentext klingt nach Krimi, das Cover nach Social Media Roman - beide Erwartungen erfüllt der Roman nicht. Ja, es geht auch darum, wer Henry getötet hat. Aber der Großteil der Handlung dreht sich um Lillians selbstzerstörerische Verhalten und die kruden Erklärungen, mit denen sie ihr Verhalten sich selbst gegenüber rechtfertigt. Lillian ist extrem unsympathisch. Sie ist von sich selbst absolut überzeugt, nutzt ihre Freunde aus und ist kein bisschen kritikfähig - kurz um, Lillian ist anstrengend. Die Figur ist bewusst so angelegt. Ich habe hin und wieder fast körperliches Unwohlsein hinsichtlich ihrer unüberlegten Taten verspürt. Auch wenn das von einer gekonnten Protagonistengestaltung zeugt, war mir das zu viel. Ich wollte ab einem gewissen Punkt nicht mehr wissen, was Lillian über die Ereignisse denkt und was sie dann tut (in 90% der Fälle lautete die Antwort ohnehin: Sich betrinken). Dementsprechend war es mir leider auch irgendwann egal, was denn nun mit Henry passiert ist. Das nimmt der Geschichte unheimlich an Fahrt.

Auch insgesamt ist die Erzählung wenig innovativ, sondern bedient sich vielen Narrativen, die gerade in vielen Romanen zu finden sind: Eine Protagonistin in ihren 20ern, die in einer mittleren Großstadt lebt. Einen Job in irgendeiner Agentur, der ok ist, aber wenig erfüllend. Ein Leben, dass durch Freunde, die heiraten und Familien gründen, immer einsamer wird. Auch "Ein unheimlich guter Mensch" bedient sich dieser Skripte.

Mich konnte das Buch daher wenig überzeugen. Hätte ich kein Rezensionsexemplar erhalten, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen.