Für alle deren Protagonistin nicht immer nur nett sein muss

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
dierotefuchsin Avatar

Von

Was zur Hölle war ich lesend? Im Guten Sinne!!!
Ich meine, was war das bitte für ein Höllenritt von einem Buch?

In „Ein unheimlich guter Mensch“ von Kirsten King steht Hauptperson Lillian als Ich-Erzählerin im Fokus der Aufmerksamkeit und nicht nur ihre Taten faszinieren auf teilweise morbide Art und Weise (direkt zu Beginn schubst sie eine Mitschülerin beinahe in ein Gorilla Gehege), nein! Auch ihre Gedanken sind zweifelsohne sehr lesenswert. Denn wie sie es immer wieder schafft ihr Handeln vor sich und den Leser:innen zu rechtfertigen grenzt schon an Wahnwitz.
Und so taumelt Lillian durch diesen Roman und durch ihre Trauer, denn (wie der Klappentext verrät: Ihr Freund Henry ist tot und es stellt sich raus, dass sie wohl eher nur so die Geliebte war und er eine Langzeitfreundin vor ihr versteckt hat). Dabei wird hier kein Tabu beachtet, sondern jedes auf mal mehr, mal weniger komische Weise in den Wind geschossen.
Es wird offen über Sex, Furzen und eigentlich auch alles andere gesprochen.
Lillian selbst ist dabei definitiv keine sympathische Proatgonistin, aber eine die in Erinnerung bleiben wird. Es grenzte für mich an morbide Faszination ihr dabei zu zu sehen, wie sie immer noch einen drauf setzt, wenn man als Leser:in denkt: Also, schlimmer kann es jetzt aber wirklich nicht mehr kommen. Spoiler: Doch!
Und auch wenn einem alle Menschen rund um Lillian irgendwie leid tun und man mehr als einmal cringen muss ob ihrer Dreistigkeit ist es unfassbar unterhaltsam gewesen sie eine Weile durch ihre (Gedanken)Welt zu begleiten.
King schreibt ihre Protagonistin dabei mit messerscharfer, psychologischer Präzision und hält ihr nicht nur einmal den Spiegel vor. Der Schreibstil ist rasant, witzig und steckt voller guter Beobachtungen. Die Psychologie hinter Lillian ist faszinierend und wirklich gut erklärt. Alleine dafür musste hier einfach die Ich-Perspektive her.

Ein wirklich bitterböser, gelungener Roman, der unserer Gesellschaft hier und da den Spiegel vorhält und ansonsten einfach nur gnadenlos böse unterhält.

Von mir gibt‘s 4,5 von 5 Sternen.

Etwas für jeden der nicht immer nur das brave Mädchen oder die perfekte Protagonistin in der Hauptrolle sehen will, sondern auch mal eine, die ganz schön egoistisch sein kann.