Größenwahn und Selbstüberschätzung
Dieses Buch war für mich eine absolute Überraschung. Lillian ist keine sympathische Hauptfigur im klassischen Sinne – sie ist narzisstisch, egoistisch, manipulativ und lebt völlig in ihrer eigenen Welt. Genau das macht sie aber so faszinierend. Mit ihrem Größenwahn und ihrer oft urkomischen Selbstüberschätzung gehört sie zu den interessantesten Antiheldinnen, die ich seit Langem gelesen habe. Sie glaubt fest daran, besser und klüger zu sein als alle anderen. Als ihr Freund Henry sie verlässt, versucht sie ihn zu verhexen – doch plötzlich ist er tot und eine Mordermittlung beginnt. Besonders stark fand ich, wie ehrlich und bissig das Buch über Beziehungen, verletzte Gefühle und falsche Wahrnehmungen spricht. Man kann Lillians Verhalten nicht gutheißen, versteht aber trotzdem ihre Sehnsucht danach, gesehen und geliebt zu werden. Die Geschichte ist düster, chaotisch und gleichzeitig unglaublich witzig. Für mich eine perfekte Mischung aus schwarzem Humor, Charakterstudie und Spannung, die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann.