irgendwie unheimlich und widernatürlich aber trotzdem mitreißend!

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fridoline1111 Avatar

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In dem Buch Ein unheimlich guter Mensch geht es um die 29-jährige Lillian, die in einer WG in Boston wohnt und unbedingt von einem Mann namens Henry geliebt werden will, mit dem sie eine hauptsächlich sexuelle Beziehung führt. Dabei wird immer offensichtlicher, dass es Lillian vor allem darum geht, selbst von jemandem bewundert beziehungsweise geliebt zu werden.

Das Cover hat mir gut gefallen, da das Buch in gewissem Maße durch den gelben Hintergrund fröhlich wirkt, gleichzeitig aber auch ernst erscheint – durch die strenge Kleidung der Frau und ihren Blick. Es lässt sich außerdem gut auf den Inhalt und die Protagonistin beziehen, deren Gedankengänge man immer besser kennenlernt und bei der man nach und nach realisiert, dass etwas mit ihr nicht stimmt.

Ihre extreme Sichtweise auf sich selbst und die Art, wie sie mit allem umgeht, als wäre es eine Anschuldigung gegen sie, führen einem nach und nach vor Augen, weshalb das so ist. Die Geschichte im Allgemeinen war für mich süchtig machend, und ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen. Nach dem Plot-Twist am Ende hätte ich mir allerdings noch einen deutlicheren Einschnitt in Lillians Perspektive und Wahrnehmung gewünscht sowie einen stärkeren Ausblick auf eine mögliche Besserung, auch wenn das im Hinblick auf die Botschaft der Geschichte weniger sinnvoll gewesen wäre.

Der Schreibstil hat mich regelrecht mitgerissen. Während man verstand, wie Lillian dachte und womit sie ihre Handlungen und Einstellungen vor sich selbst rechtfertigte, machte einen der Plot zusätzlich immer neugieriger. Die Autorin hat erfolgreich versucht, nicht nur Lillians Taten und Aussagen zu schildern, sondern auch ihre Beweggründe. Dies geschieht auf eine so erschreckend nachvollziehbare Weise, dass man sich selbst dabei ertappt, wie man ihren Gedankengang rechtfertigen möchte.

Die Figuren – womit ich vor allem auf Lillian eingehen will – sind durch sehr ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale beziehungsweise Rollen gekennzeichnet, die sich im Laufe der Geschichte meist noch verstärken. Deshalb würde ich nicht sagen, dass sie besonders realistisch dargestellt sind; vielmehr wurden bestimmte Charakterzüge so stark hervorgehoben, dass sie beinahe zur gesamten Wesenseinstellung der Figuren werden.

Lillian wird dabei eher als unfreundlich, selbstbezogen und narzisstisch dargestellt. Gleichzeitig kann man jedoch vermuten, woher diese Verhaltensweisen kommen. Sie bestätigt indirekt immer wieder, dass sie lediglich nach Anerkennung und Liebe sucht, biegt jedoch selbst diese Werte häufig so zurecht, dass sie zu ihr beziehungsweise ihrer aktuellen Situation passen. Das macht die Figur auch traurig und hat zumindest bei mir Mitgefühl ausgelöst, da sie nicht versteht, wie sehr sie sich selbst dabei im Weg steht, das zu erreichen, was sie sich zum Ziel gesetzt hat.

Alles in allem würde ich dieses Buch Leserinnen und Lesern ab 16 Jahren empfehlen, die gerne verschiedene Genres miteinander verbinden und Lust auf eine etwas andere Liebesgeschichte haben.