Selbstbetrachtung einer Narzisstin

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hapedah Avatar

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Lillian glaubt, die perfekte Frau für Henry zu sein - nun ist es ihrer Meinung nach an der Zeit, ihre Beziehung, die bisher hauptsächlich aus kurzen erotischen Begegnungen bestand, auf ein neues Level zu heben. Als Henry urplötzlich mit ihr Schluss macht, bricht ihre Fantasiewelt zusammen, traurig, wütend und betrunken führt sie einen bei Youtube entdeckten Schadenszauber durch. Am nächsten Morgen erfährt sie geschockt, dass Henry in dieser Nacht ermordet wurde, zu den trauernden Hinterbliebenen zählen nicht nur seine Eltern und Schwester, sondern auch die Freundin, mit der er bereits seit dem College eine feste Beziehung führt. Und als ob das nicht genug wäre, wird Lillian auch noch von der Polizei verhört, da sie dringend tatverdächtig ist - jetzt ist guter Rat teuer und sie muss all ihren Einfallsreichtum aufbringen, um diesen schrecklichen Verdacht von sich weg zu lenken.

"Ein unheimlich guter Mensch" von Kirsten King ist eine wirklich skurrile Geschichte, deren versprochener Humor mich allerdings nicht so ganz erreichen konnte. Bereits der Titel lässt auf ein gutes Maß an Ironie hoffen, doch obwohl mich der Roman durchaus gefesselt hat, bin ich emotional völlig außen vor geblieben. Nicht dass ein gutes Buch unbedingt einen sympathischen Protagonisten benötigen würde - und Lillian ist in dieser Hinsicht wirklich unterirdisch - aber ich bin selten einer Figur, die im Mittelpunkt der Erzählung steht, derartig unbeteiligt begegnet, sie wirkte auf mich so weit entfernt, wie ein Objekt, das man staunend unter dem Mikroskop betrachtet.

Gestaunt habe ich tatsächlich immer wieder, über Lillians Einschätzung ihrer eigenen Persönlichkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der sie andere Menschen herabsetzt, ausnutzt und dennoch überzeugt davon ist, das Beste zu sein, was jenen passieren konnte. Während der gesamten Lesezeit habe ich erwartet, dass das Kartenhaus ihrer Weltanschauung wenigstens einmal wackelt, wenn schon nicht in sich zusammen fällt, leider vergeblich. Neben dem problematischen Umgang mit Alkohol hat mich wohl am meisten gestört, dass Lillian sich bis zum Schluss selbst in die Tasche lügt, ein kleiner Moment der Einsicht hätte dem Leseerlebnis für mich eine ganz neue Bedeutung verliehen.

Fazit: Trotz des fesselnden Schreibstils habe ich mich emotional nicht in die Geschichte hinein finden können, die beworbene humorvolle Ironie habe ich nicht gefühlt. So bleibt dieses Buch ein Leseerlebnis, das mich leicht erstaunt, allerdings nicht wirklich überzeugt hat.