Unterhaltsames Buch mit ein paar Schwächen
Ein unheimlich guter Mensch von Kirsten King, übersetzt von Lilian Peter
Lillians Affäre Henry wird tot aufgefunden und das zieht diverse Entwicklungen nach sich: von Polizeiverhören über Konfrontationen mit Henrys Langzeitfreundin oder den unzähligen Interaktionen mit ihrer „besten Freundin“ Jamie. Was sich dabei durch alle Episoden zieht, ist die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, die definitiv den Charme des Buches ausmacht.
Lillian ist überzeugt, ein unheimlich guter Mensch zu sein, doch wir merken schon nach ein paar Seiten, dass sie vielleicht die Einzige ist, die das findet. Die ganze Geschichte wird aus Lillians Perspektive erzählt und wir erhalten Einblicke in all ihre verqueren Gedanken und Rechtfertigungsprozesse.
Meine Reaktionen beim Lesen haben eine wilde Achterbahnfahrt durchgemacht: anfangs hatte ich durchaus viel Mitgefühl (unter anderem auch, weil ich Henry furchtbar fand), dann folgte ein ständiger Wechsel von Fremdscham und Unverständnis, bis ich am Ende eine Ahnung bestätigt gesehen habe, die ich hier aus Spoiler-Gründen nicht kundtun möchte.
Die Perspektive und einzelne Elemente des Plots haben mir durchaus gefallen, doch insgesamt konnte mich das Buch nicht restlos überzeugen. Ich habe schon öfter gelesen, dass es mit Gone Girl verglichen wird, aber da ich das vor so langer Zeit gelesen habe, dass ich mich nicht mehr im Detail erinnern kann, nehme ich lieber Mein Mann von Maud Ventura als Vergleich, welches den Topos der „unhinged woman“ dann doch noch feiner hinbekommen hat.
Was mich hier gestört hat, waren ein paar Längen, vor allem in der Mitte des Buches, und dass gegen Ende hin sehr viel ausbuchstabiert wurde (ich dachte erst, dass eventuell das Zielpublikum jünger sei, aber ich denke, dafür sind zu viele Millennial-Anspielungen drin). Hier hätte das Buch wirklich davon profitiert, ein paar Infos zu streuen und dann die Lesenden selbst denken zu lassen.
Ganz schlimm finde ich, dass sexuelle Gewalt bagatellisiert wird und zwar auf eine Weise, die eben nicht dazu dient, dass man kritisch darüber nachdenkt, sondern eher so, dass es verharmlost und als „Tja, manche Männer sind halt so“ hingestellt wird. Es sind nur zwei kurze Stellen, aber die hätte es im Buch einfach nicht gebraucht, weil sie nichts beitragen (und dabei wäre hier so viel Potenzial gewesen!).
Insgesamt ein unterhaltsames Buch mit kleinen Schwächen, das sein Potenzial nicht ausgeschöpft hat.
Lillians Affäre Henry wird tot aufgefunden und das zieht diverse Entwicklungen nach sich: von Polizeiverhören über Konfrontationen mit Henrys Langzeitfreundin oder den unzähligen Interaktionen mit ihrer „besten Freundin“ Jamie. Was sich dabei durch alle Episoden zieht, ist die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, die definitiv den Charme des Buches ausmacht.
Lillian ist überzeugt, ein unheimlich guter Mensch zu sein, doch wir merken schon nach ein paar Seiten, dass sie vielleicht die Einzige ist, die das findet. Die ganze Geschichte wird aus Lillians Perspektive erzählt und wir erhalten Einblicke in all ihre verqueren Gedanken und Rechtfertigungsprozesse.
Meine Reaktionen beim Lesen haben eine wilde Achterbahnfahrt durchgemacht: anfangs hatte ich durchaus viel Mitgefühl (unter anderem auch, weil ich Henry furchtbar fand), dann folgte ein ständiger Wechsel von Fremdscham und Unverständnis, bis ich am Ende eine Ahnung bestätigt gesehen habe, die ich hier aus Spoiler-Gründen nicht kundtun möchte.
Die Perspektive und einzelne Elemente des Plots haben mir durchaus gefallen, doch insgesamt konnte mich das Buch nicht restlos überzeugen. Ich habe schon öfter gelesen, dass es mit Gone Girl verglichen wird, aber da ich das vor so langer Zeit gelesen habe, dass ich mich nicht mehr im Detail erinnern kann, nehme ich lieber Mein Mann von Maud Ventura als Vergleich, welches den Topos der „unhinged woman“ dann doch noch feiner hinbekommen hat.
Was mich hier gestört hat, waren ein paar Längen, vor allem in der Mitte des Buches, und dass gegen Ende hin sehr viel ausbuchstabiert wurde (ich dachte erst, dass eventuell das Zielpublikum jünger sei, aber ich denke, dafür sind zu viele Millennial-Anspielungen drin). Hier hätte das Buch wirklich davon profitiert, ein paar Infos zu streuen und dann die Lesenden selbst denken zu lassen.
Ganz schlimm finde ich, dass sexuelle Gewalt bagatellisiert wird und zwar auf eine Weise, die eben nicht dazu dient, dass man kritisch darüber nachdenkt, sondern eher so, dass es verharmlost und als „Tja, manche Männer sind halt so“ hingestellt wird. Es sind nur zwei kurze Stellen, aber die hätte es im Buch einfach nicht gebraucht, weil sie nichts beitragen (und dabei wäre hier so viel Potenzial gewesen!).
Insgesamt ein unterhaltsames Buch mit kleinen Schwächen, das sein Potenzial nicht ausgeschöpft hat.