Beeindruckend!

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Ich habe diesen Text als leise, aber eindringliche Meditation über Verlust und Selbstwahrnehmung gelesen. Ausgangspunkt ist ein Foto von der Beerdigung des Ehemanns.

Die Beerdigung, überlagert vom Tod der Mutter ein Jahr zuvor, wirkt wie eine Wiederholung, fast ein Ritual, in dem Rollen, Gesten und Gefühle ineinanderfallen.

Besonders überzeugend fand ich die Verschiebung vom öffentlichen Akt der Trauer in den privaten Raum des Hauses. Was zunächst Zuflucht und Ort des Weiterlebens ist, entpuppt sich als sichtbarer Abdruck einer lange erschöpften Beziehung und eines vernachlässigten Selbst.

Stilistisch ist der Text zurückhaltend, präzise und unsentimental. Die Sprache vertraut auf Beobachtung statt auf große Gefühle; kurze Sätze, Fragen und Wiederholungen erzeugen eine tastende Bewegung des Denkens.

Literarisch lässt sich der bisher abgedruckte Text zwischen autobiografischem Memoir und essayistischer Prosa verorten.