Eindringlich, aber fordernd
Die Leseprobe ist ohne Frage stark geschrieben und sehr offen. Schon die ersten Seiten, die sich mit Tod, Abschied und Erinnerung beschäftigen, sind intensiv und emotional dicht. Die Sprache ist präzise, reflektiert und spürbar von großer Lebenserfahrung geprägt. Man merkt schnell, dass hier nichts beschönigt wird und dass der Text aus einem echten inneren Bedürfnis heraus entstanden ist.
Gleichzeitig habe ich das Lesen als anstrengend empfunden. Die Gedanken kreisen stark um Vergangenes, um Verlust, Schuld und Selbstbefragung, ohne dass sich für mich in der Leseprobe schon eine klare innere Bewegung nach vorn abzeichnet. Vieles bleibt sehr nah bei der Autorin selbst, was berührt, aber auch Distanz schaffen kann, wenn man als Leserin oder Leser keinen direkten Zugang zu dieser Lebenssituation findet.
Das Aufräumen des Hauses als Spiegel der Ehe und des eigenen Lebens ist ein interessantes Motiv, wird aber sehr ausführlich und detailliert entfaltet. Für meinen Geschmack hätte es stellenweise etwas mehr Straffung gebraucht. Ich musste mich beim Lesen konzentrieren und Pausen machen, was nicht schlecht ist, aber eben auch kein Buch, das man nebenbei liest.
Insgesamt hinterlässt die Leseprobe einen respektvollen Eindruck. literarisch anspruchsvoll, ehrlich und tiefgründig. Gleichzeitig ist es ein Text, der viel Aufmerksamkeit und Bereitschaft zur Selbstreflexion verlangt. Für mich ein Buch, das sicher seine Leserinnen und Leser finden wird, mich persönlich aber nicht vollständig überzeugt hat.