Wenn Aufräumen zum Erinnern wird

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balileyolaf Avatar

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Die Leseprobe von Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve ist ruhig, eindringlich und von großer Offenheit geprägt. Nach dem Tod ihres Mannes beginnt die Erzählerin, das gemeinsame Haus aufzuräumen - ein äußerer Vorgang, der schnell zu einer inneren Bewegung wird. Erinnerungen, Trauer und Selbstbefragung greifen dabei eng ineinander.

Der Schreibstil ist klar, reflektiert und sehr präzise. Brinkgreve beobachtet sich selbst ohne Schonung, aber auch ohne Pathos. Besonders eindrucksvoll ist, wie das Haus, die angesammelten Dinge und das langsame Sortieren zum Spiegel einer Ehe und eines Lebens werden. Nähe, Entfremdung und Schweigen stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander.

Was mich an der Leseprobe überzeugt hat, ist ihre Ehrlichkeit. Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen erklärt nichts und sucht keine einfachen Antworten. Stattdessen entsteht ein stiller, kluger Text über Verlust, Rollenbilder und die Frage, wer man war - und wer man ohne den anderen ist.

Ich möchte weiterlesen, weil dieses Buch zeigt, wie viel Erkenntnis in genauer Beobachtung und leiser Selbstbefragung liegen kann und weil die Stimme der Autorin lange nachhallt.