Zwischen Erinnerung und Neubeginn

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Christien Brinkgreves neues Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" beginnt damit, dass die Autorin eine Foto von einer Beerdigung betrachtet: Sie sieht sich selbst anwesend und zugleich wie eine Fremde. Aus dieser Schwebe heraus entfaltet sich ein Text, der Trauer nicht erklärt, sondern zeigt, an ganz vielen kleinen Dingen. Nach dem Tod ihres Mannes räumt Brinkgreve das gemeinsame Haus um, beim Aufräumen stößt sie auf Schulhefte, Notizbücher, Musiklisten und Filmkritiken ihres Mannes. Jeder Gegenstand ruft Nähe und Widerstand zugleich hervor: Was darf bleiben, was muss gehen, ohne dass ein Leben ausgelöscht wird? Das Sortieren wird zur Konfrontation mit einer Beziehung, in der sich Liebe, Bewunderung und schleichender Verlust der eigenen Bewegungsfreiheit überlagert haben. So wird das Haus zum Resonanzraum für Fragen nach Verantwortung, Anpassung und dem langen Nachwirken von Liebe. Brinkgreve schreibt mit großer Aufmerksamkeit für innere Brüche, was die Lektüre so unglaublich authentisch macht!