Aufräumen mit der Ehe: Autobiographische Vergangenheitsanalyse
Nachdem ihr Ehemann gestorben ist, entrümpelt Christien Brinkgreve das gemeinsame Haus. Dabei kommt sie nur mühsam voran, denn alles erinnert sie an die Vergangenheit, das gemeinsame Leben mit ihrem Ehemann:
„Es ist ein Kommen und Gehen von Erinnerungen, häufig sind sie verknüpft mit Gegenständen, häufig führen sie ein Eigenleben.“
„Das Sehen und über etwas Hinwegsehen: Es fiel mir nicht wie Schuppen von den Augen. Jetzt, da ich den Raum hatte, wirklich hinzusehen, erwies sich das Haus als unbarmherzig. So wie der Körper spricht, wenn man gut zuhört, so sprach auch das Haus: Es legte offen, wie unsere Ehe sich zu getrennten Leben entwickelt hatte. Ich musste mit dem Haus in den Dialog treten, um mich wieder wohlzufühlen.“
Die Ehe war nicht immer glücklich, der Ehemann kein einfacher Mensch. Und auch wenn ihr Leben zwischen Mutterschaft und Karriere weitgehend selbstbestimmt war, konnte sie als Frau den gesellschaftlichen Erwartungen nicht wirklich entgehen.
„Ich habe bestimmte Aspekte vor der Außenwelt verhüllt, aber sie konnten nur deshalb so gut verhüllt werden, weil die Familie als Privatbereich angesehen wird. Auch der feministische Blick war lange auf die Außenwelt gerichtet: Die gesellschaftliche Stellung der Frau, die Benachteiligung im öffentlichen Leben, die Gesetze und Regeln. Was sich hinter den eigenen vier Wänden abspielt, bleibt unsichtbar. Und auch wenn Menschen manchmal etwas Beunruhigendes wahrnehmen, wollen sie sich lieber nicht ungefragt einmischen, sich die Finger nicht an den Problemen anderer Leute verbrennen. Aber ist es kein Bestandteil von Freundschaft, das trotzdem zu tun, frage ich mich jetzt, denn die Augen und Stimmen guter Freunde können so wichtig sein. Ich sehe erst jetzt, wie alleingelassen ich mich manchmal gefühlt habe, etwas, das ich genau wie die Wut erst verzögert zulasse.“
Am Ende schafft sie es, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen und ist bereit für einen Neuanfang.
„Schicht für Schicht wird freigelegt. Die Geschichte entwickelt sich, lebt unter meinen Händen, wird anders beleuchtet und akzentuiert.“
Dieses autobiografische Memoir war einerseits durchaus lesenswert, doch das Fehlen von Namen sowie der eher kühle Ton lassen die Lektüre etwas emotionslos wirken.
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
„Es ist ein Kommen und Gehen von Erinnerungen, häufig sind sie verknüpft mit Gegenständen, häufig führen sie ein Eigenleben.“
„Das Sehen und über etwas Hinwegsehen: Es fiel mir nicht wie Schuppen von den Augen. Jetzt, da ich den Raum hatte, wirklich hinzusehen, erwies sich das Haus als unbarmherzig. So wie der Körper spricht, wenn man gut zuhört, so sprach auch das Haus: Es legte offen, wie unsere Ehe sich zu getrennten Leben entwickelt hatte. Ich musste mit dem Haus in den Dialog treten, um mich wieder wohlzufühlen.“
Die Ehe war nicht immer glücklich, der Ehemann kein einfacher Mensch. Und auch wenn ihr Leben zwischen Mutterschaft und Karriere weitgehend selbstbestimmt war, konnte sie als Frau den gesellschaftlichen Erwartungen nicht wirklich entgehen.
„Ich habe bestimmte Aspekte vor der Außenwelt verhüllt, aber sie konnten nur deshalb so gut verhüllt werden, weil die Familie als Privatbereich angesehen wird. Auch der feministische Blick war lange auf die Außenwelt gerichtet: Die gesellschaftliche Stellung der Frau, die Benachteiligung im öffentlichen Leben, die Gesetze und Regeln. Was sich hinter den eigenen vier Wänden abspielt, bleibt unsichtbar. Und auch wenn Menschen manchmal etwas Beunruhigendes wahrnehmen, wollen sie sich lieber nicht ungefragt einmischen, sich die Finger nicht an den Problemen anderer Leute verbrennen. Aber ist es kein Bestandteil von Freundschaft, das trotzdem zu tun, frage ich mich jetzt, denn die Augen und Stimmen guter Freunde können so wichtig sein. Ich sehe erst jetzt, wie alleingelassen ich mich manchmal gefühlt habe, etwas, das ich genau wie die Wut erst verzögert zulasse.“
Am Ende schafft sie es, mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen und ist bereit für einen Neuanfang.
„Schicht für Schicht wird freigelegt. Die Geschichte entwickelt sich, lebt unter meinen Händen, wird anders beleuchtet und akzentuiert.“
Dieses autobiografische Memoir war einerseits durchaus lesenswert, doch das Fehlen von Namen sowie der eher kühle Ton lassen die Lektüre etwas emotionslos wirken.
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!