Boiling Frog Syndrome
Die Geschichte vom Frosch, der in einem Topf sitzen bleibt, während das Wasser zum Kochen gebracht wird ist zwar unwahr, aber leider eine gute Parabel für den Verlauf vieler Beziehungen. So auch für die Ehe der Autorin, einer emeritierten Soziologieprofessorin, mit einem gleichermaßen brillanten wie schwierigen Mann. Die Beziehung und das Haus des Paares nehmen einen eigentümlich synchronen Verlauf. So wie die Ehe zunehmend schwer zu ertragen ist, wird das Haus des Paares immer unbewohnbarer. Eine ausgeprägte Sammelleidenschaft füllt es mit Ballast, der die Bewohner unter sich zu begraben droht. Selbst ein Wassereinbruch im Keller wird nicht behoben, als bräuchte es noch eine Metapher für die Kapitulation vor den Beziehungsproblemen. Nach dem Tod des Mannes beginnt die Witwe langsam das Haus zu entrümpeln und für sich passend zu machen, parallel dazu analysiert sie offen und selbstkritisch ihr eigenes Verhalten. Während das Haus wieder wohnlicher wird, vervollständigt sich nach und nach das Bild ihrer Ehe. Zum Eindruck der schwierigen späten Phase treten nun auch Erinnerungen an schöne Momente und Zeiten. Diese versöhnliche Entwicklung ist Christien Brinkgreve von Herzen zu gönnen - ihre ehrliche Selbstbefragung berührt.