Ein Buch als Trauerarbeit
Gestaltung:
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Das Cover ist für eine Biografie sehr untypisch. Ich hätte hier eher eine Fotografie der Autorin mit ihrem Mann erwartet oder etwas ähnliches. Der gemalte Blumenstrauß hatte mich zunächst an einen Roman denken lassen. Auch sind die Farben eher altmodisch, sodass das Buch im Geschäft keine Aufmerksamkeit bei mir erregt hätte.
Mein Eindruck:
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"Das Sehen und über etwas Hinwegsehen: Es fiel mir nicht wie Schuppen von den Augen.
Jetzt, da ich den Raum hatte, wirklich hinzusehen, erwies sich das Haus als unbarmherzig.
So wie der Körper spricht, wenn man gut zuhört, so sprach auch das Haus: Es legte
offen, wie unsere Ehe sich zu getrennten Leben entwickelt hatte. Ich musste mit dem
Haus in den Dialog treten, um mich wieder wohlzufühlen." (S. 17)
Nach dem Tod ihres Mannes ordnet Frau Brinkgreve nicht nur ihr Haus, sondern auch nachträglich die Beziehung zu ihrem verstorbenen Partner neu. Sie seziert ihre Partnerschaft wie ein Chirurg, flicht Zitate aus Gesprächen mit Familienmitgliedern und guten Freunden ein, bemüht Literaturvergleiche und die Psychoanalytik.
Dabei entsteht ein scharfer Blick auf ihre Rolle, aber auch ihre Wesensveränderung in der Ehe. Sie war immer eine eigenständige Frau, hat promoviert, war anerkannt und auch von ihrem Mann als kluger Kopf verehrt. Doch mit der Geburt ihrer zwei Söhne verschieben sich die Erwartungen. Er fühlt sich von ihr alleine gelassen, da ihre Aufmerksamkeit vorwiegend den Kindern und der Karriere gilt, er zieht sich immer mehr zurück. Sie hingegen will alle Seiten zufriedenstellen, eine gute Mutter sein und ihre Arbeit gewissenhaft ausfüllen.
Beide bemühen sich, das Richtige zu tun, doch durch Missverständnisse und unterschiedliche Bedürfnissen driften sie im Laufe der Zeit weiter auseinander. Dennoch bleiben sie bis zu seinem Tod zusammen.
Ich kannte bisher weder die Autorin noch ihren Ehemann, der u. a. Schauspieler war. Daher habe ich das Buch unvoreingenommen gelesen. Mich hat die Ehrlichkeit der Autorin sehr berührt und ihre scharfen Analysen. Man merkt jedem ihrer Sätze an, dass sie in Soziologie promoviert hat. Für ihre Gefühle und Erinnerungen findet sie sehr verständlich Worte und bildliche Vergleiche. Ich konnte mich dadurch gut in sie einfühlen.
Besonders der Spagat zwischen Kindern und Beruf sowie die Erwartungshaltungen an die moderne Frau sind ihr ein Anliegen und sie hat meine vollste Bewunderung, diesen Spagat gut gemeistert zu haben. Auch auf welche Weise die Beziehung zu den Eltern von ihr und ihrem Mann ihre eigene Ehe geprägt haben, stellt sie anschaulich dar.
Ich konnte ihr gut folgen und habe das Buch gerne gelesen. Allerdings hat sie sich oft wiederholt. So kommen die Depressionen ihres Mannes und die Vorwürfe, die sie sich selbst im Umgang mit dieser Krankheit macht, an vielen Stellen vor. Manchmal verliert sie sich meines Erachtens in einer Dauerschleife aus Gefühlsbeschreibung, sachlicher Analyse, Vorwürfen und Entlastungen. Irritiert hat mich auch, dass sie ihren Mann nur als "A" bezeichnet, was sehr unpersönlich und distanziert wirkt. Vielleicht war es aber auch notwendig, um einen eher sachlichen als emotionalen Standpunkt vertreten zu können.
"Aber mit dem Schreiben tue ich etwas: Es kleidet Erfahrungen in Worte, die bisher
wortlos gespeichert worden waren." (S. 225)
Was deutlich wird: Trotz aller Probleme liebte sie ihren Mann und auch die positiven Seiten bleiben nicht unerwähnt.
Fazit:
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Eindrucksvolle Beziehungsanalyse mit sozialer Tragweite bezüglich der Rolle einer Frau in Erinnerung an den verstorbenen Ehemann.
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Das Cover ist für eine Biografie sehr untypisch. Ich hätte hier eher eine Fotografie der Autorin mit ihrem Mann erwartet oder etwas ähnliches. Der gemalte Blumenstrauß hatte mich zunächst an einen Roman denken lassen. Auch sind die Farben eher altmodisch, sodass das Buch im Geschäft keine Aufmerksamkeit bei mir erregt hätte.
Mein Eindruck:
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"Das Sehen und über etwas Hinwegsehen: Es fiel mir nicht wie Schuppen von den Augen.
Jetzt, da ich den Raum hatte, wirklich hinzusehen, erwies sich das Haus als unbarmherzig.
So wie der Körper spricht, wenn man gut zuhört, so sprach auch das Haus: Es legte
offen, wie unsere Ehe sich zu getrennten Leben entwickelt hatte. Ich musste mit dem
Haus in den Dialog treten, um mich wieder wohlzufühlen." (S. 17)
Nach dem Tod ihres Mannes ordnet Frau Brinkgreve nicht nur ihr Haus, sondern auch nachträglich die Beziehung zu ihrem verstorbenen Partner neu. Sie seziert ihre Partnerschaft wie ein Chirurg, flicht Zitate aus Gesprächen mit Familienmitgliedern und guten Freunden ein, bemüht Literaturvergleiche und die Psychoanalytik.
Dabei entsteht ein scharfer Blick auf ihre Rolle, aber auch ihre Wesensveränderung in der Ehe. Sie war immer eine eigenständige Frau, hat promoviert, war anerkannt und auch von ihrem Mann als kluger Kopf verehrt. Doch mit der Geburt ihrer zwei Söhne verschieben sich die Erwartungen. Er fühlt sich von ihr alleine gelassen, da ihre Aufmerksamkeit vorwiegend den Kindern und der Karriere gilt, er zieht sich immer mehr zurück. Sie hingegen will alle Seiten zufriedenstellen, eine gute Mutter sein und ihre Arbeit gewissenhaft ausfüllen.
Beide bemühen sich, das Richtige zu tun, doch durch Missverständnisse und unterschiedliche Bedürfnissen driften sie im Laufe der Zeit weiter auseinander. Dennoch bleiben sie bis zu seinem Tod zusammen.
Ich kannte bisher weder die Autorin noch ihren Ehemann, der u. a. Schauspieler war. Daher habe ich das Buch unvoreingenommen gelesen. Mich hat die Ehrlichkeit der Autorin sehr berührt und ihre scharfen Analysen. Man merkt jedem ihrer Sätze an, dass sie in Soziologie promoviert hat. Für ihre Gefühle und Erinnerungen findet sie sehr verständlich Worte und bildliche Vergleiche. Ich konnte mich dadurch gut in sie einfühlen.
Besonders der Spagat zwischen Kindern und Beruf sowie die Erwartungshaltungen an die moderne Frau sind ihr ein Anliegen und sie hat meine vollste Bewunderung, diesen Spagat gut gemeistert zu haben. Auch auf welche Weise die Beziehung zu den Eltern von ihr und ihrem Mann ihre eigene Ehe geprägt haben, stellt sie anschaulich dar.
Ich konnte ihr gut folgen und habe das Buch gerne gelesen. Allerdings hat sie sich oft wiederholt. So kommen die Depressionen ihres Mannes und die Vorwürfe, die sie sich selbst im Umgang mit dieser Krankheit macht, an vielen Stellen vor. Manchmal verliert sie sich meines Erachtens in einer Dauerschleife aus Gefühlsbeschreibung, sachlicher Analyse, Vorwürfen und Entlastungen. Irritiert hat mich auch, dass sie ihren Mann nur als "A" bezeichnet, was sehr unpersönlich und distanziert wirkt. Vielleicht war es aber auch notwendig, um einen eher sachlichen als emotionalen Standpunkt vertreten zu können.
"Aber mit dem Schreiben tue ich etwas: Es kleidet Erfahrungen in Worte, die bisher
wortlos gespeichert worden waren." (S. 225)
Was deutlich wird: Trotz aller Probleme liebte sie ihren Mann und auch die positiven Seiten bleiben nicht unerwähnt.
Fazit:
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Eindrucksvolle Beziehungsanalyse mit sozialer Tragweite bezüglich der Rolle einer Frau in Erinnerung an den verstorbenen Ehemann.