Eine unglückliche Ehe im Rückblick.

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wickyliest Avatar

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Es ist wirklich schwer zu sagen, ob mir dieses Buch gefallen hat oder nicht. Denn es ist kein Roman, sondern eine sehr persönliche Biografie von Christien Brinkgreve. Und genau das merkt man beim Lesen sofort.

Im ersten Teil fand ich die Gedanken noch sehr spannend – Themen wie Partnerschaft, Respekt, Unterdrückung und Rollenbilder werden offen angesprochen. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass sich vieles wiederholt. Für mich wirkte es stellenweise wie eine Rechtfertigung – ihren Kindern gegenüber, aber vielleicht auch sich selbst. Die Frage, warum sie so lange mit „A“ zusammengeblieben ist, obwohl sie offensichtlich nicht glücklich war, steht immer wieder im Raum. Besonders der Kontrast zwischen ihrem feministischen Denken und ihrer eigenen Unterordnung in der Ehe hat bei mir viele Fragen ausgelöst.

Ich muss ehrlich sagen, ich habe mir mehr melancholische Erinnerungen und schöne gemeinsame Momente erhofft. Stattdessen bekommt man das sehr nüchterne Bild einer über 40-jährigen Ehe, in der am Ende beide Partner scheinbar selbst nicht mehr wussten, warum sie noch zusammen waren.

Gleichzeitig steckt in diesem Buch viel Ehrlichkeit und Mut. Es ist schonungslos, reflektiert und regt definitiv zum Nachdenken an. Trotzdem frage ich mich, ob all das nach außen getragen werden musste – vor allem, da ihr Mann sich nicht mehr äußern kann.

Keine leichte Kost, aber inhaltlich durchaus interessant. Deshalb vergebe ich 4 Sterne – auch wenn es mich emotional nicht ganz so abgeholt hat, wie ich es mir gewünscht hätte.