Eine Sezierung

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rebeccawinter Avatar

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Christien Brinkgreves autobiografischer Roman wurde vom Hanser Verlag in einem sonnengelben Hardcover herausgegeben. Das Cover des Schutzumschlages zeigt eine Vase mit Blumenstrauß.
All das wirkt heiter, lebensfroh. Aber das schmale Bändchen hat es in sich, ist keineswegs leicht, sondern schwere Kost und damit passt die Aufmachung gar nicht zum Buch, ich fühle mich getäuscht.
Die Soziologin Brinkgreve schreibt über ihre Ehe mit dem in den Niederlanden bekannten Arend Jan Heerma van Voss, einem Schauspieler, Journalist und Schriftsteller. Es ist eine Trauerbewältigung, die nach dem Tod ihres Mannes ihren Anfang nahm und über zwei Jahre zu diesem Buch führte. Christien Brinkgreve versucht zu entschlüsseln wie es zu der Entfremdung der Partner kam, warum sie keine Konsequenzen zog und die unbefriedigende Beziehung beendete. Diese Auseinandersetzung führt sie scheinbar ehrlich und sehr persönlich. Mir kommt es so vor, als ob die Opfer-Täterrollen sehr bewusst verteilt sind. Nicht nur das Verhalten von van Voss wirft Fragen nach mentaler Gesundheit auf. So wird beispielweise berichtet, wie nah man sich durch die Kommunikation per Mail gekommen sei – und dies im gleichen Haus. Sie im oberen Stockwerk, er unten. Nach meinem Empfinden ist das eine ziemlich merkwürdige Verhaltensweise. Vieles wird wiederholt, die Erkenntnisse drehen sich im Kreis. Natürlich geht uns dass mit eigenen Gedankengängen oft auch so – aber als Publikation sollte es doch strukturierter sein. Ich empfinde das Buch als eine Abrechnung privater Natur, die privat hätte bleiben sollen. Ich kann jedenfalls keine neuen Erkenntnisse daraus gewinnen.
Leider keine Empfehlung.